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Ein Sprichwort sagt: „Dagegen ist kein Kraut gewachsen.“ Nach unserer Betriebsbesichtigung in Frau Leumers Kräutergärtnerei „Mussärol“ in der Nürnberger Straße 86, ist das P-Seminar „Erstellung von Informationsfilmen zur Gärtnerstadt Bamberg“ jedoch der Überzeugung, dass hier gegen und für alles ein Kraut wächst, denn wir sahen Duftkräuter, Heilkräuter, Küchenkräuter, Nachtdufter, usw. Wer von uns hätte gedacht, dass es so viele verschiedene Kräuterarten gibt? Und wem war bekannt, dass Kräuter eigentlich „ein Gemüse“ sind?

Frau Leumer führt ihren Betrieb seit über 25 Jahren und dies bereits in sechster Generation. Ihre Eltern waren noch konventionelle Gemüsebauern, sie hat sich dann jedoch auf die Welt der Kräuter spezialisiert. Sie arbeitet ökologisch und in diesem Zusammenhang erfahren wir, dass es eigentlich gar kein „Unkraut“, sondern lediglich ein nicht so erwünschtes „Beikraut“ zwischen den Nutzpflanzen gibt.

Ein neues wirtschaftliches Standbein von Frau Leumers Gärtnerei ist der Lavendelanbau. „Klein Provence“ nennt sie daher ihr großes Lavendelfeld mit zwölf verschiedenen Arten, wenn es von Juni bis August in voller Blüte steht, und sie ist stolz darauf, das erste Bamberger Lavendelöl und Lavendelwasser zu produzieren. Dieses wirkt beruhigend und sogar antiseptisch, während die bekannten Lavendelkissen in den Kleiderschrank gelegt werden können, um Motten zu vertreiben.

Unser eigentliches Interesse gilt jedoch dem Süßholz, das vor 500 Jahren aus dem asiatischen Raum über die Klöster in Bamberg eingeführt wurde. Süßholz ist eine nicht-heimische, mehrjährige, winterharte Staude, die auf unseren leichten Sandböden sehr gut wachsen kann, weil sich darin die Wurzeln gut unterirdisch ausbreiten kön­nen. Der oberirdische Teil, der eine Höhe von bis zu zwei Metern erreichen kann, wird nicht verwendet, sondern nur die unterirdischen Wurzeln, die sich im Idealfall bis zu acht Meter tief und bis zu zwölf Meter in die Breite ausbreiten können. Allerdings wächst diese Pflanze nur sehr langsam und erfordert neben viel Zeit auch sehr viel Handarbeit. Man kann sie nur alle vier Jahre ernten. Dabei sticht man mit dem Spaten entlang einer schönen Hauptwurzel nach unten und versucht, die etwa fingerdicken Seitenwurzeln aus dem Boden zu heben. Die Süß­holzwurzel wird anschließend zu einem Kranz gebunden, aufgehängt und getrocknet, wobei sie hierbei so hart wie Holz wird. Früher galt es als höchste Kunst, eine Süßholzwurzel unbeschadet aus dem Boden herauszuho­len, und diese Tätigkeit war deshalb einst Teil der Gärtnermeisterprüfung.

Süßholz ist 50 Mal süßer als Zucker. Erstaunlicherweise ist es aber selbst für Diabetiker geeignet. Süßholz gab es früher auf Volksfesten zu kaufen und Liebhaber haben es ihren Freundinnen als kleine Aufmerksamkeit ge­schenkt. Wir kennen es vor allem als Inhaltsstoff von Lakritz(e), die auch unter dem Namen „Bärendreck“ bekannt ist. Süßholz war zudem der Vorläufer unseres Kaugummis und 2012 wurde es zur Heilpflanze des Jahres gekürt, denn es ist gut gegen Bronchial- sowie gegen Magen-Darm-Erkrankungen. Außerdem wirkt es appetithemmend sowie durststillend. Lediglich für Leute mit Bluthochdruck ist es nicht ganz so optimal geeignet.

In Afrika kommt Süßholz sogar als Zahnbürstenersatz zum Einsatz, weil es antiviral und antibakteriell wirkt. In geraspelter Form gibt es Süßholz auch als Tee zu kaufen. Apropos „Süßholzraspeln“ – diese Redewendung bezieht sich natürlich auf das Raspeln bzw. Reiben der harten Süßholzwurzel. Im übertragenen Sinn bedeutet es, einer Person genau das zu erzählen, was sie hören möchte, meist mit der Absicht, dass für diese Schmeichelei eine Gegenleistung erbracht wird. Bei Frau Leumer durften wir ein wenig geraspeltes Süßholz, das es bei ihr zu kaufen gibt, kosten und wir waren erstaunt, dass nur wenige, winzig kleine Holzspäne so intensiv nach Lakritze schmeckten.

In den 1960er Jahren wurde das letzte Süßholzfeld in Bamberg abgeerntet und die Kenntnisse über diese Pflan­ze gingen leider langsam verloren. Auch aufgrund der großen Konkurrenz aus China waren Süßholzfelder bei uns nicht mehr rentabel. Es fehlt heute somit an Schriften über den Anbau, da früher alles Wissen mündlich an die nächste Generation weitergegeben wurde. Dabei war das Süßholz einst die wichtigste Kulturpflanze von Bam­berg. Alle orangen Flächen auf dem Bamberger Zweidlerplan aus dem Jahr 1602 waren Süßholzfelder. Die Gärt­ner sind auch die einzige Berufsgruppe, die auf diesem alten Stadtplan verewigt ist. So ist neben dem Zeichen des Fürstbischofs das einzige „Sonderzeichen“ auf dem Bamberger Zweidlerplan das „Logo“ der Bamberger Gärtner. Dabei handelt es sich um eine Abbildung von zwei Süßholzringen inmitten von drei gemalten Süßholz­pflanzen mit ihren Wurzeln.

Um diese Tradition wieder aufleben zu lassen, wurde, unter anderem von Frau Leumer, im Rahmen der Landes­gartenschau 2012 die „Bamberger Süßholzgesellschaft“ gegründet. Bei ihr wurde auch das erstes Bamberger Süßholzfeld wieder neu angelegt.

Frau Leumers Ansichten zum Thema „Gärtnerstadt und Welterbe“ waren gerade für unser P-Seminar interessant. So haben wir im letzten Jahr oft gehört, dass es für Bambergs Gärtner schwierig sei, die schmalen Felder hinter den Häusern zu bewirtschaften, dass ein Maschineneinsatz kaum möglich wäre, dass die Welterbeauflagen zu hoch wären, die Gärtner in der Innenstadt viel mehr Geld für Wasser ausgeben müssten und sie große Schwie­rigkeiten hätten, Mitarbeiter oder Nachfolger zu finden. Frau Leumer sieht hingegen gerade in diesen innerstädti­schen „Gärten“, wie die hausbreiten Felder offiziell heißen, eine Chance. So würden sich die windgeschützten und somit wärmeren „kleinen Inseln“ zwischen den Häuserzeilen und die dort vorhandenen lockeren Sandböden eventuell für den Spargelanbau eigenen. Auch der Lavendel wächst, wie sie bereits ausgetestet hat, sehr gut und er braucht zudem nur wenig Wasser.

Allerdings würden viele Bamberger Gärtner ihre Felder nur an die eigenen Kinder weitergeben wollen und nicht an „Fremde“, was Frau Leumers Meinung nach zu „vielen hausgemachten Problemen“ führt, denn es gäbe etliche Interessenten, die die innerstädtischen Flächen bewirtschaften würden. Viele Gärtner hoffen jedoch darauf, dass ihre Felder eventuell doch noch zu Bauland werden – dann wäre allerdings Bambergs Welterbetitel weg. Ein weiteres Problem ist, dass mittlerweile die Felder oft irgendwelchen Erbengemeinschaften gehören, die heute darauf lediglich Wiesen wachsen lassen und insgeheim nur darauf hoffen, dass diese Flächen doch noch zu Bauland werden.

Abschließend erfuhr das P-Seminar an dem sonnigen, warmen Oktobernachmittag in Frau Leumers grünem, idyllischem Paradies noch einige kuriose Neuigkeiten:

  • So lernten wir, dass die kleinen, unscheinbaren Sandsteinmauern, die zwischen den Feldern stehen, früher, als es noch keine Treibhäuser gab, eine wichtige Funktion hatten. Sie speicherten nämlich die Wärme bis tief in die Nacht hinein und brachen den Wind, mit dem Effekt, dass die Pflanzen hier ganze zwei bis drei Wo­chen früher als vor der Stadt wuchsen und der Herbst hier erst zwei bis drei Wochen später Einzug hielt, was eine Verlängerung der Vegetationsperiode um einen Monat bedeutete. Daher wurde in den innerstädtischen Gärtnereien eher das empfindliche Marktgemüse angebaut, das über die Bahn sogar exportiert wurde, während vor der Stadt das Futter für das Vieh und die robusteren Pflanzen wuchsen.

  • Es gibt eine sogenannte „Cola- oder Spezi-Pflanze“. Wenn man die Blättchen derselben zwischen den Fin­gern zerreibt, riechen die Finger anschließend nach Cola oder Spezi. Offiziell heißt die Pflanze „wohlduftende Eberraute“ und sie eignet sich ideal für Wildgerichte.

  • Eine weitere interessante Pflanze ist Oregano bzw. wilder Majoran, das typische Gewürz für Pizza und Mit­telmeergemüse. In Bamberg wurde dieses Kraut auch Mussäro(l) genannt. Es ist zudem auch namensge­bend für Frau Leumers Gärtnerei. In den 1930er und 1940er Jahren war wilder Majoran, nach dem Süßholz, die zweitwichtigste Pflanze der Bamberger Gärtner. Es ist das typische Gewürz für Bratwürste, Leberwürste und viele andere Würste sowie für Kartoffelsuppen und alle fetteren Speisen, denn es ist gut für die Verdauung. Einst wurde Mussärol feld­erweise bei uns angebaut und mit einer kleinen Sichel geerntet. Anschließend musste es langsam und scho­nend im Schatten getrocknet werden. Hierfür wurde der wilde Majoran zu Büscheln zusammengebunden und aufgehängt. Dies geschah unter den Hofdächern der Gärtnereien. Da diese aber zur Trocknung flächenmä­ßig gar nicht ausreichten, wurde Mussärol auch unter den Dächern der Schulen, z.B. unter dem Dach der Wunderburgschule, getrocknet. Man erzählt sich heute noch, dass die Kinder oft am frühen Morgen vor Un­terrichtsbeginn von Bratwürsten träumten, da durch die Schulgebäude der Duft von Majoran zog. Dieser musste am Ende „rascheltrocken“ sein, ehe er in Säcke abgefüllt werden konnte. So wurde er sogar bis nach Venedig verkauft und Bamberger Majoran war in der Vergangenheit in vielen italienischen Würsten enthal­ten.

  • Abschließend kann man nur feststellen, dass sich ein Kräutergarten ideal für eine kleine Auszeit von unse­rem oftmals hektischen Alltag eignet.

P-Seminar Merz

Fragt man Schüler der fünften Klasse, was ‘Entwicklungsländer’ sind, so bekommt man häufig die Antwort: „Na, wir zum Beispiel – Deutschland, die USA, Frankreich, usw.“ Verblüfft? Die Fünftklässler geben jedoch eine für sie plausible Antwort: „Deutschland, die USA und Frankreich sind entwickelt, also sind dies ‘Entwicklungsländer’.“ In der Q11/12 erhält man zwar die richtige Definition und die OberstufenschülerInnen nennen auch die entspre­chenden Länder, wie Niger, Malawi oder Uganda, aber häufig wird das Thema Entwicklungshilfe eher theoretisch behandelt. Man spricht über diverse Entwicklungstheorien, verschiedene Entwicklungsdefizite, Indikatoren und Wirtschaftsfaktoren, aber wer von uns war tatsächlich schon einmal in Afrika oder gar in einem echten Entwick­lungsland?

Daher sind wir immer froh, wenn Frau Janina Möck am DG einen Vortrag über das von ihr gegründete Entwick­lungshilfeprojekt „We care for them“ spricht. Hier wird auch für jeden klar, was „Hilfe zur Selbsthilfe“ in der Praxis bedeutet.

Als Frau Möck nämlich nach ihrem Abitur im Jahr 2013 ein freiwilliges soziales Jahr in Afrika absolvierte und hierbei für eine große Entwicklungshilfe-Vereinigung arbeitete, musste sie hautnah miterleben, dass viele der dort initiierten Projekte überhaupt nicht zielführend waren, weil man die Bevölkerung vor Ort in keinster Weise mit einbezogen hat. Daher gründete Frau Möck kurzerhand im Jahr 2014 ihr eigenes kleines Entwicklungshilfeprojekt mit dem Namen „We care for them“. Hier kümmert sie sich mit ihrem Team aus Einheimischen momentan um 18 Waisenkinder und deren schulische Ausbildung. Sie hat mittlerweile mit Spendengeldern zwei Wohnhäuser mit eigenem Wasseranschluss und einer regenerativer Stromversorgung errichten lassen und eine kleine Selbstver­sorger-Landwirtschaft aufgebaut.

Aufgrund dieses außergewöhnlichen und erfolgreichen Engagements wurde „We care for them“ nun sogar für den „Deutschen Engagement Preis 2022“ nominiert.

Was Frau Möcks Vortrag jedoch so überzeugend macht, ist die Tatsache, dass sie keine Schönfärberei betreibt, sondern auch die „hausgemachten“ Probleme Ugandas offen anspricht, z.B. das extreme Bevölkerungswachs­tum. So liegt der Altersdurchschnitt in Uganda bei nur 15 Jahren (im Vergleich dazu: 44 Jahre in Deutschland), das heißt die SchülerInnen der Q11/12 sind bereits älter als die meisten Bewohner von Uganda. Es gibt Familien mit bis zu 16 Kindern. Polygamie ist keine Seltenheit und Blutsverwandtschaft ist für uns oft nur eine Floskel, in Uganda hat diese jedoch dramatische Auswirkungen. Wenn zum Beispiel ein Mann seine Frau und die gemein­samen Kinder verlässt, was häufiger vorkommt, und die Frau einen neuen Partner findet, so wird dieser sich niemals um die Kinder seines „Vorgängers“ kümmern, sondern nur um seine eigenen, blutsverwandten Kinder. Lediglich bei Beerdigungen muss jeder Blutsverwandte, und somit alle Kinder eines Mannes, erscheinen. Dabei erfahren die Kinder oft zum ersten Mal, dass sie noch zahlreiche weitere Geschwister haben. Vorher ist dies unmöglich festzustellen, denn es gilt als „völlig respektlos“, einen Mann zu fragen, wie viele Kinder er denn habe. Glücklicherweise ist, so Frau Möck, die neue Generation von ugandischen Männern nicht mehr so in dieser ver­antwortungslosen Tradition verhaftet und Frau Möcks Projekt leistet diesbezüglich einen wichtigen Beitrag.

Wenn Frau Möck von ihrem „Waisenhaus“ spricht, so erläutert sie, dass dort eigentlich nur ein echtes Waisenkind wohnt, bei allen anderen Kindern gibt es sicherlich noch irgendwo eine Familie, aber man weiß aufgrund der oben geschilderten Situation nicht, wo sie aufzufinden wäre. Daher ist es um so erfreulicher, wenn man die Erfolgsge­schichten von Kindern hört, die aufgrund von „We care for them“ aus miserablen Verhältnissen befreit wurden und nun eine echte Zukunftsperspektive haben. Diese Geschichten kann man auch unter folgendem Link bei „Unsere Patenkinder – Die Stories“ nachlesen.

https://wecareforthem.de/

Außerdem spricht Frau Möck ehrlich über die Mentalität der Bewohner von Uganda, dem 17-ärmsten Land der Welt. Man lässt sich dort Zeit, ist entspannt, weniger reflektiert und nicht so sehr auf Leistung getrimmt wie bei uns. Dies wird beispielsweise im Bereich der Landwirtschaft deutlich. Uganda liegt am Äquator und es gibt zwei Regenzeiten. Vor der Regenzeit muss man aussäen, damit man nach der Regenzeit ernten kann. „Entspannte Ugander“ säen oftmals zu spät aus, wollen dann aber ihren Fehler nicht eingestehen und, wenn die Ernte schließ­lich zu gering ausfällt, sagen sie einfach: „Es hat zu wenig geregnet.“

Erstaunt erfahren wir, dass es bei uns eine sogenannte „Schuldkultur“, in Uganda jedoch eine vorherrschende „Schamkultur“ gibt, wobei Frau Möck den Unterschied sehr anschaulich erklärt. Wenn wir zum Beispiel das Han­dy eines Freundes versehentlich kaputt machen, entschuldigen wir uns normalerweise, versuchen es reparieren zu lassen oder ersetzen es. Ein Ugander würde niemals einen Fehler zugeben oder sagen, dass er etwas falsch gemacht hat – eher würde er das Handy wegwerfen oder vergraben und sagen, dass er dieses Handy niemals gesehen habe.

Aufgrund dieser kulturellen Unterschiede hat Frau Möck ihre elf MitarbeiterInnen vor Ort besonders sorgfältig ausgewählt und kann sich nun aber voll und ganz auf sie verlassen. Deshalb läuft ihr Entwicklungshilfeprojekt selbst dann gut weiter, wenn sie und ihr Mann in Deutschland sind. Dies ist alles andere als eine Selbstverständ­lichkeit, denn andere Entwicklungshilfeprojekte brechen häufig in sich zusammen, wenn die Leiter aus Europa wieder in ihre Heimat zurückfliegen und das, was an nützlichen oder wertvollen Gegenständen vor Ort vorhanden ist, wird anschließend oftmals von den Einheimischen geklaut.

Die Waisenkinder von Frau Möck können aufgrund der Spendengelder für „We care for them“ zudem gute Schu­len besuchen und müssen nicht auf staatliche „Alibi-Schulen“ gehen, die meist noch nicht einmal in einem stabi­len Haus untergebracht sind, in der die Lehrer selbst kaum lesen oder schreiben können und die nur gegründet wurden, damit der Staat sagen kann, er würde sich doch um die Ausbildung der Kinder kümmern. Auch Nachhal­tigkeit zeichnet Frau Möcks Projekt aus. So versorgt der Sonnenkollektor auf dem Waisenhaus nicht nur dieses Wohnhaus mit Strom, sondern zudem noch das Dorf. Die neueste Aktion von „We care for them“ bestand darin, auf einem ein Hektar großen Feld 1.000 Bäume anzupflanzen, denn diese sind für den Boden und somit für die Landwirtschaft sehr vorteilhaft, sie spenden Schatten und bieten einen perfekten Windschutz.

Bei „We care for them“ kann man nicht nur eine Patenschaft für ein Kind übernehmen, sondern auch, zum Bei­spiel nach dem Abitur, ein Praktikum absolvieren. Dabei hat man sogar die Gelegenheit, eine Safari, z.B. zum Victoriasee, zu unternehmen. Oder vielleicht besucht man die Nomaden im Norden von Uganda, das etwa drei Viertel so groß wie Deutschland ist, denn dort gibt es einen mit den Massai verwandten Nomadenstamm. Diesen wird man auf den ersten Blick erkennen, denn sie leben wie früher, kleiden sich nicht, haben traditionelle Narben­tattoos und zur besseren Identifikation ziehen sie sich die vorderen Zähne.

Wir danken Frau Möck für ihren interessanten Vortrag, bei dem man über Land und Leute in Uganda Dinge erfah­ren hat, die man in keinem regulären Schulbuch für Geographie sonst findet.

We care for them: IBAN: DE 7276 39 1000 0007 7528 49; BIC: GENODEF1FOH; Volksbank Forchheim eG

G. Merz

Was wie ein dubioser Hinweis für eine Schnitzeljagd klingt, ist in Wirklichkeit ein praktisches Versuchsmodell, um die wachsende Weltbevölkerung in Zukunft zu ernähren. Aber der Reihe nach. Am 13. Juli 2022 besuchte das P-Seminar von Frau Merz die LWG, die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gar­tenbau an der Galgenfuhr in Bamberg.

Hier wurden uns zwei völlig diametral entgegengesetzte Gartenbaumethoden auf ein und demselben Betriebsgelände vorgestellt: zunächst die ultramodernen, highend-hightech Gewächshauskulturen und gleich im Anschluss daran der komplett biologisch-ökologische, nachhaltige Freilandanbau. Man könnte fast sagen, dass bei der LWG zwei Welten aufeinanderprallen. Dem ist aber nicht ganz so, denn die Aufgabe derselben ist es, in diese beiden Richtungen zu forschen, um so durch die dadurch erlangten Versuchsergebnisse Gartenbaubetrie­be optimal beraten zu können.

Wir haben dabei nicht schlecht gestaunt, als uns Herr Schulz in seine „Hexenkü­che“ geleitet hat, in der Pflanzen, wie Paprika, Gurken und sogar Ingwer, ganz und gar „erdlos“, auf in Plastiksäcken verpackten Kokos- oder Holz­fasern oder Perlite (= aufgeblasenes Vulkangestein mit optimalem Porenvolumen) im Ge­wächshaus heranwach­sen.

Herr Schulz muss hierfür die optimalen Düngerezep­turen zusammenbrauen, die richtige Menge an Schlupf­wespen zur Schädlings­bekämpfung einsetzen, Pflanzen durch Zugketten in die gewünschte Wuchsrich­tung trim­men, sämtliche Heizungssysteme richtig einstellen und dafür sorgen, dass das Wasser, das zusammen mit dem Düngesubstrat auf die Pflanzen gegos­sen wird, anschließend wieder aufgefangen und in einer UV-Anlage sterili­siert wird, damit man es hernach erneut zum Gießen verwenden kann.

Bei einem so enormen Einsatz an Technik, Substraten und Fachkenntnissen sind selbstverständlich hohe Ern­teerträge die Folge. Erstaunlicherweise ist dies aber gar nicht das primäre Ziel der LWG. Viel mehr freut man sich über so manche Pflanzenkrankheit, wie die Stängelfäule oder eine Marmorierung der Blätter, damit man dann erforschen kann, wie sich solche Probleme möglichst effizient lösen lassen. Pflanzen werden zu diesem Zweck sogar künstlich mit Krankheiten infi­ziert. Selbst ein Lieferausfall bei den Schädlingsfressern und ein daraus resultie­render hoher Lausbefall beim Gemüse erfreuen das Forscherherz.

Spektakulär war auch der Anbau von Salat auf einer versiegelten Box, in der sich lediglich eine Nährlösung befin­det, die man eventuell sogar 12 Jahre lang wiederverwenden kann. Aber dies muss erst noch durch eine weitere Testreihe erkundet werden.

Nach dem Einblick in diesen Hightech-Gartenbau, der vielleicht die Zukunft ist, führte uns anschließend Herr Banner auf die Felder der LWG, wo wir eine Form von Anbau sahen, die eher dem entsprach, was man sich so als Elftklässler unter Gemüseanbau vorstellt. Ganz so war es dann aber auch hier nicht, denn in un­mittelbarer Nachbarschaft zu den eben besichtigten „Gewächshäusern aus der schönen neuen Welt“ versucht die LWG hier nun ganz ohne Chemie, ohne Substrate und ohne Nährlösungen, also völlig biologisch-ökologisch, optimale Ern­teerträ­ge zu erzielen. Auch hier sind wieder Schädlinge und suboptimale Wachstums­bedingungen „erwünscht“, denn es geht auch hier primär um die Forschung und nicht um eine Gemüseerzeugung für den Verkauf. Bei­spielsweise werden verschiedene Tomatensorten extra von oben beregnet, obwohl diese Pflanzen das überhaupt nicht wollen. Aber man will so herausfinden, welche Tomatensorte am besten gegen Braun­fäule resistent ist. Außerdem erprobt man den Anbau von Honig- und Netzmelonen, Süßkartoffeln, Ingwer, Tellerlinsen, Flachs und von Teff, ei­ner Hirseart aus Äthiopien, mit der man glutenfreies Mehl herstellen kann. Be­sonders angetan waren wir von den putzigen, frei umher watschelnden indischen Laufenten, die auf dem Gelände der LWG „angestellt“ sind, um Schnecken und andere Schädlinge von den Feldern wegzupicken. Andere Enten würden auch den Salat auffressen, was indische Laufenten jedoch nicht tun. Verblüffend war auch, dass man auf einem Karottenfeld durch das Aufstellen von einigen mit Zwiebelöl gefüllten Gefäßen Schädlinge erfolgreich abhalten kann. Für die­ses äußerst er­freuliche Versuchsergebnis nehmen es die Angestellten der LWG bei der Feld­arbeit auch in Kauf, dass ihnen bisweilen ein ziemlich strenger Zwiebelgeruch in die Nase steigt.

Auch diverse Bewässerungsmethoden, ein Rotationsanbau, ein autonomer Hackroboter mit Kamera und GPS, verschiedenartige Blühstreifen, neuartige Bio­mulchfolien aus Maisstärke statt Plastik, Maßnahmen gegen den Kohlerdfloh sowie Einsatzmöglichkeiten von Samenhanf (z.B. als Dämmstoff) werden auf dem Gelände der LWG ausprobiert.

Die Anbauprodukte der LWG werden übrigens nicht verkauft, da man keine Konkurrenz für die heimischen Gärt­ner darstellen möchte, sondern diese durch For­schungsergebnisse unterstützen will. Das Gemüse, an dem che­mische Substan­zen getestet werden, muss natürlich entsorgt werden. Der Rest geht aber an die Tafel, die Nie­derbrunner Schwestern oder wird in der Kantine der LWG ver­arbeitet.

Am Ende dieser äußerst eindrucksvollen Führung haben wir Gemüse ganz neu wertschätzen gelernt und wir waren froh, dass nicht wir sondern Experten die Ent­scheidung über den Gemüseanbau der Zukunft treffen wer­den, denn für uns wa­ren sowohl die Hightech-Gewächshäuser als auch der ökologische Anbau am Ende der jeweiligen Führung sehr überzeugend. Und am Nachmittag unseres Exkursionstages wurden wir beim Besuch der in der Nähe der LWG gelegenen SOLAWI sogar noch mit einer dritten Form der Landwirtschaft der Zukunft konfrontiert. SOLAWI bedeutet Solidarische Landwirtschaft, die nach eigenen Angaben „dem Gemüse den Preis wegnehmen und den Wert zurückgeben“ will. Hierbei kann man als sogenannter „Ernteteiler“ für einen monatli­chen Beitrag von 86 Euro (= großer Anteil) oder 43 Euro (= kleiner Anteil) Mitglied werden und man erhält dafür wöchentlich einen bestimmten Teil der auf dem sechs Hektar großen Acker der SOLAWI erzielten Ernte. Die Feldarbeit übernehmen zwei festan­gestellte Gärtner, die rein biologisch-ökologisch, ohne großen Maschinenein­satz, ohne chemische Düngung wirtschaften, und wer will und kann, darf beim Gemüseanbau gerne mithelfen.

Um ein ähnliches Projekt handelt es sich bei dem neben der SOLAWI gelegenen Gemeinschaftsgarten. Dies sind 20 Parzellen à 30 Quadratmeter. Eine solche Parzelle kann man pro Jahr für 150 Euro pachten, wobei im Preis auch die Kos­ten für Samen, Dünger und Wasser enthalten sind. Man muss nicht einmal ein Fach­mann sein, denn bei dem Projekt geht es um ein sogenanntes „angeleitetes Gärt­nern“ nach einem ausgeklügelten Pflanzplan. Eine Familie kann auf einer solchen Parzelle ihr Gemüse für ein ganzes Jahr selbst anbauen, sofern sie ihre Pachtfläche sorg­fältig bestellt.

In Zukunft will man durch ähnliche Projekte, den interkulturellen Garten auf dem Erba-Gelände und durch mehrere auf die gesamte Stadt verteilte Hochbeete, die solidarisch genutzt werden sollen, eine „essbare Stadt“ schaffen.

P-Seminar Merz

 

Eigentlich wollte unser P-Seminar in Bambergs englische Partnerstadt Bedford fahren, von wo aus wir dann na­türlich auch eine Exkursion in die Weltstadt London unternommen hät­ten. Aber wegen Brexit und Corona muss­ten wir schließlich umplanen und widmen uns nun dem Welterbe der Stadt Bamberg. Dabei steht allerdings nicht die Bergstadt mit Dom und Residenz im Mittelpunkt, sondern die Gärtnerstadt östlich der Regnitz. Statt schillern­der Großstadt mit ultramoderner City-Skyline – alte, historische Gärtnerhäuser und lehmige Ge­müsefelder? – „So ein Mist,“ mag sich da manch ein Schüler gedacht haben, aber so lang­sam schweifen die Gedanken nicht mehr so oft sehnsüchtig in die Ferne und es gedeiht so­gar mehr und mehr das Interesse an der heimischen Gärtnerkul­tur.

A propos „Mist“: auf einem Unterrichtsgang durch die Gärtnerstadt erfuhren wir, dass dieser eine sehr wichtige Rolle für den Erfolg der Bamberger Gärtner gespielt hat. So war der faser­reiche Pferdemist aus den Bamberger Kavallerie-Kasernen, die sich in den großen Back­steinbauten in der Nürnberger Straße befanden, einst heiß begehrt als wertvoller Dünger.

Bei einem Besuch im Gärtner- und Häckermuseum in der Mittelstraße konnten wir dies mit eigenen Augen sehen, denn das Feld hinter dem Haus ist jetzt etwa 30 Zentimeter höher als die Fläche des Erdgeschosses, weil auf dem Acker 300 Jahre lang der fruchtbare Pferdemist angehäuft wurde.

Auch die Bamberger Sämereien erwiesen sich als interessanter als anfangs vermutet. Diese waren einst landauf, landab bekannt und fast echte „Global Players“. Gemüsesamen aus Bamberg führte sogar zum Aufschwung des niederländischen und englischen Gartenbaus und selbst die Schiffsmannschaften dieser beiden Seefahrernatio­nen nahmen Samen aus Bamberg mit auf ihre Nordamerika- und Ostasienfahrten. Aber, so wie heute, konnten auch damals einige Sämer nicht genug Profit machen und ruinierten durch illegale Machenschaf­ten den guten Ruf der ehrlichen Bamberger Züchter. Einige schwarze Schafe mischten näm­lich in die eigentlichen Samenpäck­chen eingefärbtes Sägemehl, um auf diese Weise die zum Verkauf stehende Ware ein wenig zu strecken. Als dies jedoch bekannt wurde, war Samen aus Bamberg natürlich nicht mehr begehrt.

Bei unserem Besuch im Gärtner- und Häckermuseum wurde uns ausführlich der historische Bamberger Zweidlerplan aus dem Jahr 1602 erklärt. Dieser 1,20 Meter mal 1,70 Meter große Kupferstich gilt europaweit als unvergleichliches und einzigartiges Meisterwerk, was auch die Wissen­schaftsarchitekten der UNESCO bestätigt haben.

Kaum zu glauben, aber mit aufschlussreichen Hintergrundinformationen wird selbst ein ural­ter Stadtplan für Teenager interessant. Beispielsweise sieht man anhand der lila Farbsigna­tur im Plan, dass am Südhang des Michelsbergs früher Wein angebaut wurde. Die aber bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts andauernde „Kleine Eiszeit“ und die Tatsache, dass die Bamberger Weinreben nicht reblaus-resistent waren, führten jedoch dazu, dass man den Weinbau in Bamberg damals wieder aufgegeben musste. Dafür gab es überdies noch einen histo­rischen Grund, denn im Zuge der Säkularisation bzw. infolge der Auflösung der Klöster kam es zu einem enor­men Rückgang der Nachfrage nach Messwein, denn die vielen Klöster waren zuvor eine wichtige Kundengruppe für den Weinverkauf. Für die Priester der Pfarrkir­chen lohnte sich der Anbau von Wein in Bamberg dann nicht mehr. Erst 2012 wurden im Rahmen der Landesgartenschau erneut Weinreben in historischer Anbauweise am Michels­berg angepflanzt.

Auf dem Zweidlerplan erkennt man auch, wie weit der Hauptsmoorwald – so wie heute im­mer noch – stets weiter in Richtung Osten zurückge­drängt bzw. gerodet wurde. Früher ge­schah dies jedoch, um neue Flächen für den Gartenbau zu gewinnen. Die Gärtner mussten einst die im Osten der Stadt gelegenen Felder sogar einzäunen, um sie so vor dem hungri­gen Wild aus dem Wald zu schützen.

Beim Rundgang durch das Gärtner- und Häckermuseum stellten einige Schüler des P-Seminars fest, dass der letzte Eigentümer dieses Hauses sogar etwas mit ihnen gemeinsam hatte. Er war ein Technik-Freak. Natürlich gab es damals noch keine Computer, aber Gärt­ner Kauer baute Leitungen für Licht in sein Haus – eine Sensation damals – und die dafür nötige Energie holte er tatsächlich in Form eines Akkus mithilfe einer Schubkarre aus dem nahe gelegenen Elektrizitätswerk, der heutigen Volkshochschule, in der Tränkgasse. Ein solcher Akku hielt dann eine Wo­che lang.

Natürlich haben wir bei unserer Führung durch das Museum auch die Heiligenfiguren be­wundert, die bei der Fronleichnamsprozession in Bam­berg durch die Straßen getragen wer­den. Darüber sind Kunsthistoriker jedoch nicht gerade begeistert, weil die Figuren dabei Schaden nehmen können bzw. auch schon nahmen. So hat der Heilige Sebastian bei einer Prozession einmal einen Sonnenbrand an einer Schulter abbekommen und er musste da­raufhin aufwändig restauriert werden. Der „Träger-Job“ einer solchen Heiligenfigur bei der Fronleichnamspro­zession ist eine sehr große Ehre und er wird innerhalb einer Gärtnerfamilie immer weitervererbt. Die Tatsache, dass sogar junge Männer, die mit der Kirche gar nichts mehr zu tun haben wollen, unbedingt Figurenträger sein wollen, war für die Schüler des P-Seminars doch sehr überraschend, denn diese Ehre ist ein echter Knochenjob. Ein Träger muss nämlich auf einer Schulter bis zu 50 Kilogramm stemmen können.

Und wer hätte es gedacht, Prozessionen erfüllten früher neben der kirchlich-religiösen Funk­tion auch noch eine weitere: sie waren nämlich eine Vorform der heutigen Dating-Portale, denn ein Figurenträger konnte nach der Zeremonie seiner Angebeteten das kleine Sträuß­chen, das er am Revers seines Anzugs trug, übergeben. Nahm die Holde diesen Blumen­schmuck an, konnte schon fast mit den Hochzeitsvorbereitungen begon­nen werden.

Der Schaugarten hinter dem Museum ist eine wahre grüne Oase und er vermittelt einen sehr guten Einblick, wie in früherer Zeit der typische Hausgarten einer Bamberger Gärtnerei gestaltet war und man lernt, mit welchen Geräten gearbeitet wurde.

Nach dem Gärtner- und Häckermuseum waren wir natürlich auch noch im 2019 neu eröffneten „Zentrum Welter­be Bamberg“ (Untere Mühlbrücke 5), wo wir uns vor allem den Bereich über die Entwicklung von Bambergs Gärt­nerstadt genauer ansahen und die hervorragende Videoinstallation zur Stadtgeschichte von Bamberg bewundert haben.

„Welterbe statt Weltstadt“ erweist sich doch als interessanter als anfangs gedacht und die nächste Exkursion führt uns weg vom historischen zum modernen Gartenbau in Bamberg sowie zur Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in der Galgenfuhr. Heute werden nämlich in unse­rer Stadt sogar Ingwer und Kurkuma angebaut. Dies verblüfft uns aber nur wenig, denn be­reits in grauer Vorzeit waren die Bamberger Gärtner sehr innovativ und äußerst experimen­tierfreudig, was sich darin zeigte, dass in manchen Betrieben von unseren Vorfahren bereits Melonen und Artischocken ange­baut wurden. Auch hierüber wird es wieder etwas zu berich­ten geben – keine „Saure Gurken Zeit“ also. Selbstverständlich stammt dieser sprich­wörtli­che Ausdruck, der heute im Journalismus für die nachrichtenarmen Wochen im Jahr bzw. das sogenannte „Sommerloch“ verwendet wird, ebenfalls aus dem Gärtnereiwesen. Damals bezog sich diese Redewendung allerdings auf den Winter, in dem es kein frisches Obst und Gemüse gab und wo man fast nur Sauerkraut oder durch Milchsäuregärung eingemachtes Gemüse als Vitamin C Quelle hatte.

P-Seminar Merz

Endlich kann man wieder Exkursionen unternehmen und den theoretischen Unterrichtsstoff aus dem Schulbuch vor Ort live und hautnah erleben. Daher fuhren alle fünften Klassen im Rahmen eines fächerübergreifenden Pro­jekts, bei dem Biologie, Natur und Technik sowie Geographie beteiligt waren, in die Fränkischen Schweiz zum Gut Schönhof in Eichenbirkig.

Nach einer herrlichen Busfahrt durch das Tal der Wiesent, vorbei an bizarren Felsen, und nach einer kurzen Ves­perpause durften die Schülerinnen und Schüler zunächst unter Anlei­tung der Biologielehrkräfte auf einer Wiese diverse Pflanzen bestimmen und nach der Mit­tagspause erhielten sie an sechs Lernstationen einen Einblick in die Kälbermast.

Das absolute Highlight war hierbei die „Handmassage im Kälbermaul“. Junge Kälbchen sind nämlich sehr neugie­rige Wesen und die Fünftklässler haben schnell mitbekommen, dass diese sehr gerne ihre Hände abschlecken wollten, was die Kinder anfangs etwas ekelig oder ein bisschen furchterregend fanden. Aber als die Schüler er­fuhren, dass Kälbchen, auch wenn sie groß sind, im Oberkiefer gar keine Schneiderzähne haben, sondern nur einen mit einer festen geriffelten Hornplatte ausgestatteten Gaumen, war ihnen klar, dass sie nicht um ihre zarten Händchen bangen mussten und ihre Finger gar nicht abgebissen werden konnten. Sobald die ersten Mutigen ihre Finger im Kälbermaul hatten und dies sogar recht angenehm fanden, gab es kein Halten mehr. Jeder wollte eine, zugegebenermaßen etwas schleimige, Handmassage, obwohl die Zungen der Kälbchen doch recht rau sind.

Aber warum wurden die süßen Kälbchen denn nicht zusammen in einem großen Freiluftgehe­ge untergebracht, sodass sie miteinander spielen oder sich beschnuppern können? – Dafür gibt es einen wichtigen Grund: in den ersten Lebenswochen sind sie besonders empfindlich ge­genüber Krankheitserregern und sie würden sich, wenn sie nicht isoliert gehalten werden würden, gegenseitig anstecken. Deshalb stehen sie in sogenannten „Kälberig­lus“. Auf diese Weise können sie sich zudem bei Zugluft und Regen auf ein warmes Strohnest in ihre Plastik-Box zurückziehen und bei gutem Wetter vor der Box im Freien die Sonne genießen.

 

Wenn die Tiere etwas robuster sind, kommen sie in den „Kindergarten“, wo sie schließlich in kleinen Gruppen zusammenleben und sich untereinander kennenlernen können. Außerdem bekommen sie dann auch Heu zu fressen, damit sie sich zu fleißigen Wiederkäuern ent­wickeln. In den ersten beiden Lebenswochen gab es für die Kälbchen vor allem die sogenann­te „Kolostralmilch“. Diese allererste Muttermilch, die die Kühe unmittelbar nach der Geburt ihrer Kälbchen produzieren, ist eine meist dickflüssige, leicht gelbliche Milch mit besonders vielen Vitaminen und Mineralien. Sie soll die die Jungtiere stärken und möglichst immun gegen Krankheiten machen.

Schon bald nach der Geburt bekommen alle in EU-Betrieben gehaltenen Kälbchen zudem eine gelbe Ohrmarke mit einem Zahlencode darauf. Diese Nummer mussten die Schüler an einer der Lernstationen erforschen: „DE“ steht für das Herkunftsland Deutschland, „09“ be­deutet Bundesland Bayern und im Anschluss daran folgt die Betriebsnummer mit der spezifi­schen Nummer eines Kalbs. Somit trägt jedes Tier stets seinen Ausweis im Ohr, und dies ein Leben lang. Eine Umkennzeichnung wäre illegal.

Und weiter ging es zum Melken. Zum Glück haben die Schüler keine echten Kühe gemolken, sondern nur eine Holzkuh, an der unten ein Plastikeimer mit Gummizitzen hing, denn bei so manchem „Melkversuch“ durch die Fünftklässler hätten sich die Kühe bestimmt gewehrt und es wäre auch sehr viel Milch verloren gegangen. So aber erwies sich an dem heißen Sommer­tag das Wasser aus dem Plastik-Euter als willkommene Abkühlung. Man konnte damit auch den einen oder anderen Klassenkameraden ein wenig vollspritzen.  Diese Station war folglich sehr beliebt bei den Schülern. Und jeder weiß nun, dass man vor dem Melken das Euter zu­nächst mit lauwarmem Wasser abwaschen muss. Danach kommt die sogenannte „Zitzenpro­be“, um festzustellen, ob die Milch in Ord­nung ist und keinerlei Blutspuren enthält, und her­nach geht es ans „Anrüsten“. Dabei werden die Zitzen leicht massiert, um die Kuh auf diese Weise melkbereit zu machen. Nach einem Melkvorgang muss man wiederum „ausmelken“, das heißt, jedes Euterviertel wird leermassiert, weil es sonst zu Eutererkrankungen kommen kann oder die Milchproduktion der Kuh nachlässt.

Es war beeindruckend zu sehen, was man aus 20 Litern Rohmilch alles herstellen kann, näm­lich entweder 20 Liter Trinkmilch oder zwei Kilogramm Käse oder vier Päckchen Butter oder 1,4 Liter Sahne oder vier Kilogramm Quark oder 20 Kilogramm Joghurt.

An weiteren Stationen sollten die Schüler mithilfe von Schautafeln in Gruppenarbeit einige Fragen beantworten und die Fakten anschließend im Klassenverband vortragen. Dabei ging es zum Beispiel über die Auerochsen, die Vorgänger unserer heutigen Hausrinder, über die ver­schiedenen Rinderrassen, wie die Schwarzbunten, das Fleckvieh und das deutsche Angusrind, oder Daten zur Milchleistung von Kühen. So produziert eine Kuh im Jahr zwischen 4.000 und 8.500 Liter Milch. Dies ist im Vergleich zu der Milchleistung einer Kuh vor hundert Jahren eine etwa dreimal so hohe Menge. Je nach Tierrasse gibt eine Kuh pro Tag heute zwischen 15 und 40 Liter Milch.

Ein Gang in den Stall durfte natürlich nicht fehlen. Dort wurden in dem Moment, als wir ein­traten, gerade „die Betten für die Tiere frisch gemacht“. Was es damit auf sich hatte, musste uns die Bäuerin erst erklären. Über die Köpfe der Tiere hinweg fuhr nämlich unterhalb des Stalldachs auf einer Schiene eine Art Wagen mit einem Stroh­ballen darauf, von dem aus au­tomatisch Stroh in die Tierboxen verteilt wurde, sodass das Vieh wieder eine fri­sche Unterla­ge zum Herumlaufen und Liegen bekam. Für die Tiere ist dies so, als würde es Stroh „schnei­en“. Das alte, verbrauchte Stroh wird später zusammen mit den Exkrementen über ein Förder­band automatisch ab­transportiert. Da Gut Schönhof ein Biobetrieb ist, hat hier jedes Tier etwa vier Quadratmeter Platz – dies ist dop­pelt so viel wie in der konventionellen Tierhaltung.

An weiteren Lernstationen konnten die Fünftklässler zum Schluss noch erfahren, welche Menge an Heu, Silage, Kraftfutter, Mineralstoffen und Wasser Kühe pro Tag zu sich nehmen und wie die fünf verschiedenen Mägen der Tiere funktionieren.

Viel zu schnell verging unsere Zeit auf Gut Schönhof, wo es mehr als nur „gut“ und „schön“ war. Ein herzlicher Dank geht an die Mitarbeiterinnen des Hofs, die Biologielehrkräfte, die bei den Pflanzenbestimmungen sehr mit­geholfen haben, und vor allem an Frau Oberstudienrä­tin Catja Bier, die Gut Schönhof ausgewählt und einige Vorexkursionen dorthin unternommen hat. In Zukunft werden wir alle sicherlich unsere Lebensmittel noch mehr wertschätzen, da wir gesehen haben, welch hoher Aufwand für deren Herstellung betrieben werden muss. Da­mit hat Gut Schönhof auch noch einen wichtigen Aspekt zum Thema Alltagskompetenzen erreicht.

G. Merz

 

Oder: Gärtner & Brauer statt Großbritannien. Eigentlich war geplant, dass unser P-Seminar in Bambergs engli­sche Partnerstadt Bedford fährt, um dort an Schulen, in Betrieben und in Hotels Praktika zu absolvieren. Aber Corona und Brexit führten dazu, dass wir unsere Reisepläne begraben mussten. Jedoch aus „graben“ und „rei­sen“ ergaben sich dann tatsächlich ganz neue Pläne. Deshalb „bereisen“ bzw. erkunden wir nun das Weltkultur­erbe im Stadtgebiet Bamberg, wobei unser Schwerpunkt auf der Gärtnerstadt und den im dortigen Boden „gra­benden“ Gärtnern liegt. Auf den Fluren östlich der Regnitz wurde bereits seit dem Mittelalter Erwerbsgartenbau betrieben – also auch in dem Gebiet, in dem heute das DG steht. Das Ziel unseres P-Seminars ist es, einen Bo­gen vom historischen Gartenbau bis hin zu den modernen Gärtnereien und Brauereien zu spannen, denn diese beiden Erwerbszweige hingen bereits im Mittelalter eng miteinander zusammen.

Als Einstieg besuchten wir im April 2022 die Gärtnerei Karl Dechant in der Geisfelder Straße.

Dort haben wir nicht nur das bunte Blütenmeer bewundert, sondern sind auch in die Tiefen des Gärtnereiwesens eingetaucht. Dabei haben wir erfahren,

  • dass die Corona-Zeit für die heimischen Gärtnereien auch ein bisschen etwas Positives hatte, weil sich zahl­reiche Leute wieder mehr auf regionale Produkte besannen und ihre eigenen Gärten oft neu umgestaltet und für den Urlaub daheim verschönert haben.
  • dass es gar nicht so einfach ist, eine Topfmaschine zu bedienen.
  • dass kleine Gemüsepflanzen und kurze Beerensträucher für Balkone gerade voll im Trend liegen. Haben Sie schon einmal von Snack-Paprika „Snacky Yellow“, Mini-Auberginen namens „Jackpot“ oder von sogenannten Beerenzwergen etwa gehört?
  • dass ein direkt gegenüberliegender Bau- und Gartenmarkt wider Erwarten gar keine Konkurrenz für eine heimische Gärtnerei darstellen muss, sondern für beide Seiten zu einer echten Win-Win-Situation führen kann.
  • welche Probleme sich für Bamberger Betriebe durch den Neubau der ICE-Strecke und eine damit eventuell einhergehende Änderung der Straßenführung ergeben.
  • was für eine enorme Vielzahl es an heimischen Kräutern gibt, z.B. Schokominze, die vor allem seit dem Boom von Cock­tails ein „wahrer Renner“ wurde.
  • was man unter dem „Pikieren“ versteht. Dies ist im Gartenbau das „Vereinzeln“ bzw. das Verpflanzen von zu dicht stehenden Sämlingen auf größere Abstände.
  • was eine „Schlauchrolle“ ist. Dabei handelt es sich um ein rundes, schweres Gewicht, das jeweils an den Ecken der Beete steht, damit der Gartenschlauch zum Gießen nicht die zarten Pflänzchen zerdrückt und zerstört.
  • dass man anhand eines unscheinbaren Grundstücks authentischen Geschichtsunterricht betreiben kann, denn neben der Gärtnerei Karl Dechant gibt es hinter der ehemaligen Brauerei Maisel ein großes Feld, das ein wenig tiefer als seine Umgebung liegt. Warum nur? – Hier wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum Wie­deraufbau der zerstörten Häuser Sand abgebaut.

Da neben den Gärtnereien auch die Brauereien eine wichtige Rolle für Bambergs Welterbe spielen, ging unsere nächste Exkursion in die Wunderburg zur Brauerei Mahr’s Bräu, durch die uns ein junger Diplom-Brauwirt geführt hat.

Wir alle waren tief beeindruckt, als wir lernten, was für ein fast voll-automatisierter Hightech-Prozess das Bier­brauen heute ist. Schon allein von den vielen Fachtermini waren wir fast wie beschwipst: Läuterkessel, Treber, Maische, Hopfen-Pellets, Whirlpool, Plattenkühler, Cleaning-in-place System, Gärung, Nachgärung, doppelte Vakuumierung, Vorspannen von Flaschen, Leerflascheninspektor usw.

Beim nächsten Bier werden wir bestimmt an die vielen komplexen chemischen Verfahren, das Sudhaus mit sei­nen Kupferkesseln, die riesengroßen Lagertanks sowie die Flaschen- und Fassabfüllanlagen denken, und, wie ein Schüler in seinem Bericht geschrieben hat, freuen wir uns schon auf unseren nächsten Besuch im Mahr’s Bräu, wenngleich dieser wohl eher im dazugehörigen Wirtshaus sein wird.

Wir bedanken uns herzlich dafür, dass uns die Gärtnerei Karl Dechant und die Brauerei Mahr’s Bräu eine Be­triebsbesichtigung bei ihnen ermöglicht haben.

P-Seminar Merz