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Am Donnerstag, den 16.07.2026, besuchte der mehrfach ausgezeichnete Kriegsfotograf und Journalist Till Mayer erneut das DG, um vor Schülerinnen und Schülern der achten bis zehnten Jahrgangsstufe über seine Arbeit, seine Eindrücke und Erlebnisse zu berichten.

Dabei stand der russische Angriffskrieg auf die Ukraine im Zentrum; Mayer dokumentiert seit bereits 2017 seit Kampfhandlungen in der Ukraine, v.a. im Osten des Landes, in Büchern wie „Europas Front: Krieg in der Ukraine“ (2024) sowie zuvor „Donbas: Europas vergessener Krieg“ (2019) und ganz aktuell: Widerstand – Freiheitskampf der Ukraine (Februar 2026), aber auch in Ausstellungen und filmischen Dokumentationen.

Anhand weniger ausgewählter Bilder und der Geschichten dahinter, also der Erfahrungen der Menschen, die er fotografieren und interviewen durfte, schilderte er seine Arbeit unter schwierigen Bedingungen im Krieg, v.a. aber die Auswirkungen, die der russische Angriff und die Art der Kriegsführung durch Russland auf die Menschen in der Ukraine hat.

Besonders deutlich wurden dabei der unbedingte Wunsch nach Freiheit sowie die Tapferkeit und der Durchhaltewillen der Ukrainer; den erschöpften Soldaten auf dem Sofa beispielsweise konnte er 2019 einige Tage begleiten, bevor ihn sein Schicksal als Kriegsopfer ereilte. Mit dem Foto, das heute auf dem Grabstein des jungen Mannes angebracht ist, halten seine Angehörigen ihn in Erinnerung – bemerkenswert auch, dass beide Söhne weiterkämpfen und die Witwe als Freiwillige hinter der Front engagiert ist.

Er erklärte am Beispiel einer Ukrainerin mit kubanischen Wurzeln auf beklemmende Weise, wie der Krieg die Menschen auch innerlich verletze. Die junge Frau, die als Scharfschützin gekämpft hat, litt unter der Traumatisierung durch den Kriegseinsatz, wollte aber unbedingt wieder zurück, um ihren Beitrag zur Verteidigung zu leisten – aller Erschöpfung und inneren Dämonen zum Trotz.

Davon abgesehen, verdeutlichte er an Familiengeschichten den Krieg als großen Zeitvernichter: Denn die Jahre im Schützengraben sind verlorene Jahre für die Väter (und Mütter) und ihre Angehörigen. Noch bedrückender fielen seine Hinweise zum Massaker Butscha aus – dort hatten russische Besatzer willkürlich Zivilisten gefesselt und hingerichtet, wider alle Gesetze, wider alles Kriegsrecht. Auch hier zeigte sich Mayers persönlicher Zugang: Er kennt Angehörige der Opfer persönlich, will die Wahrheit der Verbrechen zeigen und dokumentierte beispielsweise auch die Umbettung von Opfern aus Massengräbern in würdevolle Einzelgräber.

So geht es ihm auch darum, mit der Berichterstattung über den Krieg die Ukraine zu unterstützen: einerseits die Menschen dort durch Empathie und Zuhören, andererseits, um das wichtige Thema in den westlichen Nachrichten und das Bewusstsein von diesem Angriffskrieg bei uns im Frieden wachzuhalten. Zugleich rückt er beispielsweise Probleme von Kriegsversehrten in der Ukraine selbst mit seinen Fotoreportagen ins Licht der Öffentlichkeit.

Daneben engagiert sich Mayer auch ganz konkret, in spontanen Einzelaktionen, aber auch zugunsten von Kriegsversehrten, Kranken und anderen.

Als Journalist will er trotz der eindeutigen Sachlage – es handelt sich um einen russischen Angriffskrieg – beispielsweise in Reportagen seine eigene Meinung zurückhalten. Auch in Interviews gibt er den Befragten und ihren Hoffnungen, Klagen, Wünschen Raum und Ausdruck. Eindringlich betonte Mayer, dass er zwar den Krieg ablehnt – aber eben kein Weg an der Notwendigkeit der auch militärischen Verteidigung von Demokratie und Freiheit vorbeiführt. In der Fragerunde skizzierte er die problematische Quellenlage – unverfälschte Originalstimmen aus Russland sind kaum zu bekommen und wies auf die Gefahren für die Reporter und die Helfer bei jedem Einsatz hin.

An der Front: Schützengraben in apokalyptischer Kriegslandschaft

Aufgrund der furchtbaren Szenen an der Front lag die Frage nach seinem Umgang mit psychischen Belastungen nahe; Mayer pochte einerseits auf Empathie als grundlegender Arbeitshaltung, v.a. aber auch auf der Trennung von Beruf und Privatleben. Nur mit Familie, Freunden und stabilem Umfeld sei es wohl langfristig möglich, diese Arbeit auf sich zu nehmen.

Zudem imponiert ihm der Mut der ukrainischen Menschen, ihr Freiheitsdrang und ihre Ablehnung der russischen Gewaltherrschaft; daneben gibt es Glücksmomente, wenn z.B. die Rettung einzelner Personen wieder einmal, knapp, unter Zeitdruck und permanenter Drohnenbedrohung, – aber dennoch – gelungen ist.

Die Aufmerksamkeit beim Vortrag des vielgereisten Journalisten sowie die kritischen Nachfragen und auch die am Ende teils recht großzügig gegebenen Spenden unserer Schülerinnen und Schüler zeigten die Wirkung, die Mayers nahbar gebotener, aber doch sehr eindringlicher Vortrag erzielen konnte.

 

Rupert Plischke/Gabriele Görlich