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Rund sechs Monate musste die Klasse 6d (jetzt 7d) warten, bis ihre Post beantwortet wurde. Im Rahmen unserer Lektüresequenz zu Cornelia  Funkes „Geisterritter“ erarbeiteten die Schüler der Klasse 6d im Schuljahr 19/20 nicht nur sehr ansprechende Lektüretagebücher, sondern schrieben Frau Funke 24 Briefe, um ihr zu ihrem gelungenen Werk und ihrer großen Ideenreichtum zu gratulieren. Diese Briefe machten sich gegen Ende des ersten Halbjahres im Schuljahr 2019/20 auf den Weg nach Hamburg, wo sich die Fanpostsammelstelle der in den USA lebenden Autorin befindet. Nach einem guten halben Jahr war es dann so weit und die Klasse 6d erhielt eine an sie persönlich adressierte Antwort… viel Spaß beim Lesen! 🙂

Birgit Kraus, Deutschlehrerin der Klasse 6d im Schuljahr 2019/20

Ein gelungenes Schülerbeispiel für eine Erörterung aus der 8. Jahrgangsstufe der Schülerin Z. D. sei hier stellvertretend angeführt für die Probleme und Themen, die das Homeschooling in der Praxis erzeugen kann.

Die derzeitige Situation durch Corona ist für alle schwierig und man versucht die Auswirkungen so weit wie möglich einzudämmen. Jedoch funktioniert das natürlich nicht optimal, was man am Beispiel -Schule gut sehen kann. Es gibt natürlich gute Gründe für die Schulschließung, aber allzu lang sollte dies nicht mehr andauern, denn es sind negative Auswirkungen auf Eltern und Schüler zu sehen.

In diesem Text möchte ich meine Position und die vieler anderen Betroffenen zu dem derzeitigen digitalen Unterricht von Zuhause aus darlegen.  

An erster Stelle wäre zu nennen, dass das sogenannte Homeschooling erhebliche Auswirkungen für die Eltern hat. Beispielsweise sinkt der berufliche Erfolg für Eltern, da diese sich mehr um die Kinder und deren schulischen und freien Aktivitäten kümmern müssen und nicht die volle Aufmerksamkeit dem Beruf widmen können.  Außerdem entsteht laut dem Soziologen Jan Paul Heisig von der Bundeszentrale für Politische Bildung eine  „Einkommensschere zwischen Menschen mit und ohne Kinder“. Die Einkommensschere entsteht durch den Fleiß und die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der Menschen ohne Kinder, diese können nämlich produktiver und schneller arbeiten als Eltern und werden dadurch eventuell befördert oder ihr Gehalt wird erhöht. Und auch die Diskriminierung gegen Mütter breitet sich nun auch auf Väter aus.

Des Weiteren entstehen „soziale Ungleichheiten im Bildungserfolg und in der Kompetenzentwicklung der Kinder“, so der Experte Jan Paul Heisig.Beispielsweise können hochgebildete Eltern in der Bildung und Entwicklung ihres Kindes mehr mithelfen als niedrig gebildete Eltern, durch beispielsweise Material oder technische Geräte. Denn hochgebildeten Eltern steht meist mehr Geld zu Verfügung, womit sie die Kinder unterstützen können.So ist es für sie beispielsweise kein Problem einen Computerarbeitsplatz auszustatten, um während der Schulschließung effektiv arbeiten zu können. Sozial schwächere Eltern oder Eltern mit geringerem Bildungshintergrund könne dies nicht ,wodurch sich die sowieso bereits vorhandene Ungleichheit, die in der Schule aber aufgefangen wird, noch weiter verstärkt. Außerdem spielt die Wohnumgebung auch eine Rolle. So ist es zum Beispiel wichtig, ob das betroffene Kind einen Rückzugsort zum Lernen hat, um in Ruhe und ungestört effektiv Lernen zu können. Aber auch die Zeit ist ein wichtiger Faktor beim Lernen, die in einkommensschwächeren Familien fehlt,  da oft Kinder auch viel im Haushalt helfen müssen oder auf ihre Geschwister aufpassen müssen, da manche Eltern nicht einfach Zuhause bleiben können, da sie auf das Geld ihres Jobs angewiesen sind. Deshalb sollte es keinen digitalen Unterricht auf längere Zeit geben, da sonst nicht jedes Kind dieselbe Chance auf Erfolg und Bildung hat.  

Zum Schluss möchte ich noch auf die Probleme für den einzelnen Schüler eingehen.  Durch schlechte Ausstattung wie zum Beispiel ein langsames Internet bekommt der betroffene Schüler in Videokonferenzen nicht alles mit. Dadurch  entstehen Lücken beim Lernen. Auch bei mir in der Klasse funktioniert das Internet nicht bei jedem problemlos  . So ist beispielsweise bei einer Freundin oft nichts in den Videokonferenzen verständlich und sie bekommt dadurch nicht alles mit was besprochen wird.Aus diesem Grund sollten die Schulen wieder komplett öffnen um größere Lücken im Stoff zu verhindern , da vieles Gerlernte in den höheren Klassen auf sich aufbaut und durch diese Lernlücken der Weg zum Abschluss/Abitur erschwert wird.Außerdem fehlt manchen die Selbstdisziplin, um eine gute Struktur und Einteilung zu schaffen, weshalb Aufgaben nicht gemacht oder vergessen werden.

Die Sozialkontakte sind für die soziale Entwicklung wichtig und auch als Ablenkung gut, durch den digitalen Unterricht kann man jedoch nicht einmal Freunde in der Schule sehen.Der Lernerfolg kann außerdem durch soziale Kontakte aus derselben Klasse gesteigert werden, da man sich austauschen kann, sich gegenseitig an Aufgaben erinnern und auch Wissen und Fähigkeiten, die der andere noch nicht hat, weitergeben und so leichter lernen kann. Und auch das Lernen an sich macht natürlich mehr Spaß zu zweit, weswegen der Unterricht in der Schule zu befürworten ist.

Zum Schluss darf man nicht vergessen, dass  die Motivation und Konzentration daheim vieler Schüler auch sinkt, durch beispielsweise der Ablenkung technischer Geräte wie Handy, PC, IPad, usw. Zum Beispiel lenken Instagram, Tik Tok oder Snapchat oder auch Spiele an verschiedenen Geräten  die Konzentration vom eigentlichen Lernen ab. Dies können die Lehrer  im Präsenzunterricht verhindern, jedoch sehen sie es im digitalen Unterricht über den PC oder das IPad nicht und können es so auch nicht stoppen.  Das hat natürlich auch Auswirkungen auf den Bildungserfolg. Ich denke jeder kennt es wenn man während des Lernens plötzlich eine Nachricht auf dem Handy sieht und nur kurz antworten will aber man sich dann nach einer Stunde auf irgendeiner anderen App wie zum Beispiel Instagram oder Tik Tok wiederfindet und das Lernen völlig vergessen hat.

Außerdem macht das Lernen und Aufpassen bei schlechtem digitalen Unterricht gar keinen Spaß und die Motivation etwas zu lernen sinkt. Wenn Lehrer die Schüler nicht einbauen, nur Reden und zu viele Aufgaben geben oder man nur lange Texte abschreiben muss, ohne genauer darauf einzugehen ist das kein guter Unterricht und man lernt nicht viel. Wenn digitaler Unterricht also schlecht ist, ist das noch viel problematischer, denn die Schüler passen nicht auf, weil es zu langweilig ist und lenken sich mit anderen Dingen ab, was die Lehrer dann nicht merken und letztendlich bleibt nichts an Stoff hängen.

Aus den oben genannten Gründen sollte der digitale Unterricht von Zuhause aus nicht zu lange bestehen und auch kein Ersatz des „normalen“ Unterrichts werden. Es gibt gute Gründe der Schulschließung, jedoch sollte diese nicht zu lange andauern.

Z. D. aus der 8d

Inspiriert von unserer Lektüre des aktuellen Jugendbuches „Krakonos“ von Wieland Freund (herzlichen Dank an Lesefutter-Koriphäe Frau Reidelshöfer für den wunderbaren Literaturtipp!) verfasste Klasse 7a im Homeoffice tolle Paralleltexte zum Roman.
Die Protagonisten der Geschichte Nik und Levi, zwei Brüder im Teenageralter, leben in einer hochtechnisierten Welt. Eines Tages treffen die beiden Jungen auf den Gestaltwandler Krakonos und ein spannendes Abenteuer beginnt.
Während Nik, der ältere der beiden, ganz Teil seiner digitalen Umgebung zu sein scheint, findet Levi, der kleine Bruder, seine wahre Zufriedenheit abseits der Bildschirme, nahe bei Krakonos, dem Urwesen. Wie Levi sich bei seinem ersten Ausflug in die Natur fühlt und was er erlebt, haben sich Schülerinnen und Schüler der Klasse 7a ausgedacht. Hier eine Auswahl ihrer Texte. Viel Spaß beim Lesen!

Birgit Kraus

Deutschlehrerin der Klasse 7a

 


Paralleltext zu Wieland Freunds „Krakonos“ von Julius Amann, Klasse 7a

Thema: Levis erster Ausflug in die Natur

Es war ein Abend wie jeder andere und Levi lag hellwach in seinem Bett. Er konnte sich den Fuchs von letzter Nacht einfach nicht aus dem Kopf schlagen. Er war fasziniert von diesem Tier, es war das erste Mal in seinem Leben, dass er ein solches  gesehen hatte. Die Academy war langweilig; nur Technik und Computer (wofür sich Levi überhaupt nicht interessierte). Er wollte nach draußen, aber Nik wollte das nicht. Warum? Fand er das hier nicht auch etwas öde? Sein Entschluss stand fest: Er würde nach draußen gehen, und den Fuchs suchen. Vielleicht hatte er Glück, wer wusste das schon? Er stieg aus seinem Bett und ging zu Niks Wabe. Nach ewiger Diskussion konnte Levi seinen Bruder endlich dazu bringen, mit ihm nach draußen zu gehen. Sie nahmen den gleichen Weg wie in der Nacht zuvor, gingen durch einen geheimen Tunnel, welchen Levi gefunden hatte, als er damals nach einer Bärenhöhle gesucht hatte. Eigentlich war der Tunnel nur ein riesiges Abflussrohr, aber Levi interessierte das nicht. Dann waren sie draußen angekommen. Frische Luft, Erde unter den Füßen und das Rauschen des Windes. Hier fühlte Levi sich frei. Doch dort, was war das? Ein kleines Licht. Es wurde immer größer. Dann hörten sie Stimmen. „Schnell weg!“, wisperte Nik. Sie schlichen so schnell und leise wie möglich zu einem der vielen Bäume und langsam kam bei Levi Panik auf. Was hatte er sich nur dabei gedacht? Jetzt würden sie von den Sicherheitsmännern der Academy aufgespürt werden. Das wäre gar nicht gut. Nik und Levi waren nun auf den Baum geklettert. Unten an ihnen liefen die Wachleute vorbei. Ein Glück! Sie hatten Nik und Levi nicht entdeckt. „AAAH!“, schrie Nik und fiel vom Baum. „Da ist irgendetwas!“  Die Wachleute hatten nichts bemerkt. Jetzt sah auch Levi, was Nik gemeint hatte. Er lachte und streichelte den Raben, welcher Nik so erschreckt hatte. „Das ist doch nur ein Rabe, Nik!“, lachte er. Aber dieser Rabe war ziemlich zutraulich. Noch niemals hatte Nik einen solchen Vogel aus der Nähe betrachtet. Die warmen, flauschigen Federn und der schwarze Schnabel. „Komm rauf, Nik!“, sagte Levi, doch als er sich umdrehte, hatte er auf einmal die Dreadlocks eines Mannes mittleren Alters in der Hand, nicht die Federn des Raben. Der Rabe hatte sich in Luft aufgelöst. „Wer sind Sie? Lassen sie meinen Bruder gehen!“,  rief Nik, doch Levi starrte wie gebannt auf den Mann. Es war, als ob die Bäume sich zu ihm neigten und die Vögel ihm Lieder zwitscherten. „Wer bist du?“, fragte Levi. „Ich bin Horak. Marek Horak!“ Mit diesen Worten sprang der Mann vom Baum und Levi auch. „Ich brauche eure Hilfe“, sagte der Mann namens Horak, “ denn ich werde verfolgt. Mehr müsst ihr erstmal nicht wissen. Ich bin kein normaler Mensch wie ihr, wisst ihr? Springt auf!“ Hatte er sich verhört? Springt auf? Wo denn?  Levi wusste nicht, was er tun sollte, doch irgendetwas strahlte dieser Mann aus, nur wusste Levi noch nicht genau, was das war. Er hörte Nik keuchen und schaute auf. So etwas kannte er bisher nur aus Filmen, und dieses Tier hatte er bisher nur aus Büchern gekannt. Ja, vor ihnen stand tatsächlich ein kleiner Elefant. Er traute seinen Augen nicht. Das, was er hier sah, war unglaublich. Hinter der Mauer der Academy waren plötzlich Stimmen und Autoreifen zu hören. Tiefe Männerstimmen. Levi wollte nicht herausfinden, wer diese Personen waren. Er überlegte nicht lange. Nik half ihm, auf den Elefanten zu steigen und stieg danach auch auf. Und schon ging es los, der Elefant sprintete auf die Mauer zu. War dieser Elefant verrückt geworden? „KRACH!!!“ Es war ein ohrenbetäubender Lärm. Hinter der Mauer stand ein großer Lieferwagen, welchen der Elefant einfach zerquetschte. Die Leute, die in der Nähe des Wagens standen, schrien. Der Elefant sprintete unbeirrt weiter. Irgendwann beruhigte sich Levi und nach einer Viertelstunde kamen sie bei einem Waldrand an. Inzwischen war es auch schon sehr dunkel geworden. Ein Reh lugte hinter den Bäumen hervor und die Eulen riefen nach ihnen. Auch die Vögel flogen auf den Elefanten und auf Levi und Nik zu. Levi fühlte die ledrige Haut des Elefanten und er wusste: Er war dort, wo er schon immer hatte sein wollen: IN DER NATUR.


Paralleltext zu Wieland Freunds „Krakonos“ von Ben Heger, Klasse 7a

Thema: Levis erster Ausflug in die Natur

Es war nachts in einer der Waben auf dem Quip.com-Gelände. Levi lag wach in seinem Bett und starrte an die Decke. Er wendete sich auf die linke Seite um zu sehen, wieviel Uhr es war. 03:42 zeigte seine Digitaluhr auf dem Nachtisch an. Das Weckersymbol blinkte im Sekundentakt. Levi setzte sich aufrecht in seinem Bett hin. Er sah zu Nik hinüber, der schlief wie ein Stein. Wo waren seine Klamotten? Levi öffnete den Schrank und nahm sich ein Quip.com- T-Shirt, eine Hose, Socken und seinen Lieblingspullover heraus. Ihm passten die Kleider wie angegossen, er zog sich schnell an. Seine Sneaker nahm er in die Hand.

Er lief auf Zehenspitzen zum Serverraum 2, denn dort gab ein Fenster, das man ohne Probleme öffnen konnte. Levi schaute noch einmal, ob die Luft rein war, dann ging er ohne zu zögern in den Serverraum. Das Fenster war auf Brusthöhe in die Außenwand des Gebäudes eingelassen. Levi kletterte auf die Kisten, die vor dem Fenster standen. Mit einer Bewegung war das Fenster offen. Ein kühler Wind wehte ihm ins Gesicht. In Levis Kopf ratterte es wie in einer Fabrik, er hatte so viele Gedanken. Was würde Nik machen, wenn er ihn erwischen würde? Was, wenn das Fenster zuging? Was, wenn er nicht mehr zurückfinden würde? So viele Gedanken, aber er war hinaus gegangen um seinen Kopf frei zu bekommen und um ein paar Tiere sehen zu können. Er fühlte sich frei oder war es ein anderes Gefühl? Er kannte es nicht. Levi war bereits an der ersten und zweiten Datsche vorbeigelaufen und hielt seinen Kurs auf die dritte und letzte Datsche. In dieser hatten Nik und Levi einmal eine Ratte gesehen und das freute Levi. Nik verabscheute Insekten oder andere Tiere. Levi hörte, wie ein paar Vögel davonflogen, draußen war es dunkel und kalt. Hier und da  streifte ein hoher Grashalm seine Hand. Plötzlich stand ein Mann mit einem peltzartigen Gewand vor ihm. Levi fragte den Mann, wie er hieß und dieser antwortete: “Horak, mein Name ist Horak”. Levi stellte sich vor und der Mann fragte ihn, in welchem Jahr und wo er sei. Levi antwortete rasch: “Es ist das Jahr 2021 und Sie sind auf dem Quip.com-Gelände”. Der Mann ging auf und ab. Er grübelte. Levi fragte ihn, worüber er nachdachte und erhielt die Antwort. “Ich, Horak, suche meine Freunde.”  Es war inzwischen etwas heller geworden, der Morgen nahte.

Der Mann sagte, er müsse gehen und verabschiedete sich von Levi. Er verwandelte sich in einen wunderschönen Raben und flog davon. Levi sah ihm noch nach und machte sich auf den Weg zum Fenster. Er würde auf jeden Fall öfters zu den alten Datschen gehen um zu sehen, ob er noch mehr Tiere fand. Er strich sich durch sein langes Haar und kletterte durch das Fenster. Levi nahm sich vor, mehr über den mysteriösen Horak herauszufinden, egal was es ihn kostete.


 

Paralleltext zu Wieland Freunds „Krakonos“ von Johanna Böhm, 7a

Thema: Levis erster Ausflug in die Natur.

Levi lag in seiner Wabe. Er konnte nicht schlafen. Obwohl seine Augenlider schwer waren, fühlte er sich nicht bereit sich für heute Abend in das Land der Träume zu verabschieden. Das blaue Licht der LEDs blendete ihn beinahe. Er dachte nach. War Nik noch wach? Würde er jetzt mit ihm reden wollen? Es war spät in der Nacht. Jedenfalls hatte Levi das Gefühl, es sei schon nach Mitternacht. Diesem Gefühl vertraute er auch vollständig, erstens weil sein Smartphone nicht Greifweite war und zweitens, weil sein Zeitgefühl über den Zeitraum wirklich gut geworden war. Levi mochte es nicht, immer am Handy zu sein, weshalb er auch nicht alle fünf Minuten eine Uhr bei sich hatte. Er hörte ein Geräusch. Obwohl er es nicht zuordnen konnte, hatte er den Drang ihm zu folgen. Ein wenig dumpf hörte es sich an, wie polternde Kartons oder ähnliches. Levi fasste einen Entschluss. Er wollte nachsehen. Doch sollte er das wirklich alleine tun? Leise, sehr leise, kaum hörbar krabbelte er an sein Bettende. Er zog Nik sanft die Decke vom Körper und merkte, dass sein großer Bruder überhaupt nicht schlief. Kommunikation funktionierte bei den beiden  ohne Worte. Nik musste das Geräusch ja auch gehört haben. Warum dann unnötig laut sein oder reden? Mit einem Nicken in Richtung Tür wollte Levi Nik symbolisieren, dass er dem Geräusch folgen wollte. Dieser zögerte. „Bitte!“, flüsterte Levi flehend. Nik nickte langsam und stand  auf. Levi spürte Niks warme Hand, die ihn sanft durch das Zimmer führte. An der Tür angekommen, hörten die Jungen ein ähnliches Geräusch, dieses Mal war es… klirrender. Levi konnte selbst kaum die Schritte von sich und seinem Bruder hören, so leise waren sie. Levi fuhr ein Schauer über den Rücken. Unter den umgeworfenen Kartons war eine Ratte zu sehen. Für Levi nichts Schlimmes, er mochte Ratten. Er hatte sich nur erschreckt. Ein paar Schritte weiter starrte Levi der Knauf eines Fensters an.  Levi wollte die Ratte hinausbringen. In die Freiheit. Das versuchte er auch Nik zu erklären. Dieser wollte zuerst wieder zurück in die Wabe, doch er konnte seinem Bruder diesen Wunsch nicht abschlagen. Levi wusste das. Er hatte schon auf eigene Faust versucht, die Ratte in die Hand zu nehmen. Als er es schaffte, spürte er die Krallen der Ratte, die leicht in seine Haut drückten. Nik öffnete das Fenster. Manchmal hatte Levi das Gefühl, Nik könne Gedanken lesen. Levi versuchte auch, ihn tatkräftig zu unterstützen, jedoch hielt er die Ratte in der Hand. Außerdem dachte Levi die ganze Zeit darüber nach, wo genau er die Ratte absetzen könnte. Über einen Stapel Kartons war Levi nach draußen gelangt. Nik folgte ihm. Levi fühlte sich schon selbstständig. Also lief er zielorientiert auf einen Baum zu. Der Junge hörte das Zirpen der Grillen und leise Partymusik aus dem Inneren der Stadt.  Die Ratte versuchte aus Levis Hand zu entfliehen. Das war sein Zeichen. Unter einem Baum, bei einer Mauer setzte er sie ab. Levi sah das Tier schnell wie ein Minirennwagen weglaufen. Er fühlte sich wohl. Die kalte Nachtluft umspielte seine Nase. In Niks Gesicht sah Levi ein Fragezeichen. Was willst du denn jetzt noch machen? Das war die Aussage seines Gesichtsausdruckes. Levi ging mit langsamen Schritten auf den Baum zu und spielte mit der Rinde. Levi konnte ein Muster im Stamm erkennen. Im Kopf suchte der Junge nach dem Namen des Käfers, der dafür verantwortlich war. Sorgenkäfer, Schlaukäfer. Levi musste schmunzeln. Lustige Namen dachte er sich da aus. Er dachte weiter nach und kam auf den Namen: Borkenkäfer.  Levi ließ seinen Finger über die Einkerbungen gleiten und drehte sich zu Nik. Sein großer Bruder war offenbar total gelangweilt. Alles war ruhig. Levi konnte sein eigenes Herz klopfen hören. Diese Stille wurde durch den Schrei eines Uhus beendet. Levi riss fasziniert den Mund auf und lauschte. In seinem Kopf hallte das Geräusch des Uhus wider. Der Junge genoss es, den Tieren zu zuhören. Urplötzlich hörte Levi die Glocke eines Kirchturmes. Im Kopf zählte er mit. Zwei Uhr. Es war Zeit, wieder ins Bett zu gehen. Levi war sich trotzdem noch nicht sicher, ob er schlafen würde. Auf dem Weg zurück in die Academy und in die Wabe hatte Levi einen Entschluss gefasst. Zukünftig würde er sich nur der Natur widmen. In der Schule war er sowieso nicht der Beste. Zurück im Zimmer, holte Levi sein Tablet und suchte im Internet nach den Bildern von Ratten. Er war sich sicher, diese Art von Ausflug in der Nacht musste er mit Nik noch einmal wiederholen.

 


Paralleltext zu “Krakonos” von Jule Vedder

Levis erster Ausflug in die Natur

Es war  schon Abend.  Nach einem öden Abendessen ging Levi in seine Wabe. Die anderen Jungs waren ihm egal. Er wollte lieber ein Buch über Ratten und Mäuse lesen.  Doch was war das! Da war eine Spur von Weizenkörnern. Levi wollte unbedingt wissen, was da vor sich ging. Die Spur führte in eine von den drei Kammern. Was sollte er tun? Zu Nik und den anderen Jungs oder der heißen Spur hinterher? Er beschloss der Spur hinterherzugehen. Er stieg durch ein kleines Fenster und –  zack! – war er draußen. Es war eine angenehm warme Sommernacht. Er hörte unzählige Vögel zwitschern. Einer lauter als der andere. Da! Da war die Spur wieder. Er lief den moosigen Weg entlang, bis er bei einer riesigen Eiche ankam. Doch die Spur führte weiter in Richtung Schrebergärten. War das die Spur von einer Ratte? Es wurde immer dunkler. Vielleicht sollte er doch umkehren. Vielleicht machte sich Nik Sorgen? Fragen über Fragen. Er war hin- und hergerissen, doch er fasste einen Entschluss. Er ging weiter. Nun war er bei den Schrebergärten angekommen. Sie waren sehr alt. Sie waren voller altem Moos. Von unten bis oben. Und sie sahen unbewohnt aus. Die Spur führte ihn zu einem der alten Gärten. Sie endete an einem steckdosengroßen Loch. “Mist,  wie komme ich jetzt hier rein?”, dachte er sich. Doch plötzlich sah er ein kaputtes Fenster. Dort würde er locker durchkommen. Nach einigen Versuchen schaffte er es schließlich und war in der Gartenhütte. Es war finster. Langsam, aber sicher gewöhnten sich seine Augen an die Dunkelheit und er konnte wenigstens ein bisschen was sehen. Plötzlich hörte er ein leises Piepsen. Es kam von dem kleinen Loch. Langsam tastete er sich vor und spürte etwas kleines Flauschiges. Es war eine veränstigte, faustgroße Haselmaus. Was sollte er tun? Vielleicht war sie verletzt, oder hatte sie ihre Artgenossen verloren? Er musste mit der kleinen Maus zurück. Er nahm sie behutsam auf und lief so schnell wie möglich zurück zur Academy. Dort angekommen, rannte er zu Nik. Doch was, wenn er nicht einverstanden war,  sie hierzubehalten? Egal, er brauchte Hilfe! Nach ein bisschen Überredungskunst hatte er es geschafft, die Maus hierzubehalten. Am nächsten Tag ging es der Maus schon viel besser und er brachte das Tierchen  zurück zu ihrem Versteck. Doch anstatt sie alleine zurückzulassen, waren ihre Artgenossen zurückgekehrt. Er war erleichtert und auch stolz der kleinen Maus geholfen zu haben. Er wollte auch in Zukunft Tieren und besonders Mäusen und Ratten helfen.

 

 

Eine Parallelgeschichte zu Otfried Preußlers “Krabat” von Levin Welz, Klasse 5d, die mit ihrer Deutschlehrerin Frau Birgit Kraus das Buch im Unterricht gelesen hat.

An einem schneereichen Morgen, scheinbar sehr ruhig, bewies die Mühle am Schwarzkollmer Dorfrand das Gegenteil. In ihr herrschte das reinste Chaos. Der Meister hetzte seit den frühen Morgenstunden die Mühlburschen durch die ganze Mühle.

Den Lehrjungen Lobosch traf es am schlimmsten. Staschko war mit einem Mehlsack hingefallen und hatte sich eine Verleztung zugezogen. Nun lag er im Bett und konnte nicht arbeiten. Der Meister hatte Lobosch nun seine Auf- gabe gegeben und Staschkos. Krabat hatte Mitleid. Es war viel zu viel für den armen Lobosch. Er hatte sich schon beim Sack schleppen einen krummen Rücken geholt. Krabat sagte: „Leg dich mal kurz hin , ich bin schon fertig, ich werde dir deine Aufgabe abnehmen.“

Lobosch war schon ganz blass vor Anstrengung und nickte dankbar. Krabat nahm Loboschs Säcke und trug sie in die Mahlstube. Auf einmal knackte es in der Türschwelle. Lyschko trat in die Mahlstube und fragte: „Hast du Lo-bosch geholfen?“ „Nein!“ antwortete Krabat scheinheilig. Misstrauisch sah Lyschko ihn an. Nach endlosen Sekunden ging er wieder seines Weges.

Am Abend holte der Meister, während alle anderen aßen, Krabat zu sich in die Schlafkammer und fragte: „Wer erlaubt es sich, Lobosch die Arbeit abzunehmen?“

„Ich, Meister!“ Ich finde, die Arbeit, die ihr ihm gebt, ist für ihn zu schwer.“ Ohne Vorwarnung zog der Meister die rechte Hand und schlug ihm auf die linke Wange. Wutentbrannt stürzte Krabat aus dem Zimmer. Lobosch wartete vor der Tür. Krabat rief: „ Komm Lobosch, wir hauen ab!“ Der Meister ver-suchte nicht einmal Krabat aufzuhalten. Innerhalb einer Minute waren sie im naheliegenden Wald. Krabat und Lobosch setzten sich hin und schnauften aus. Plötzlich knisterte es hinter ihnen, ein Löwe sprang aus dem Strauch. Krabat versuchte ihn zu versteinern und schnalzte mit den Fingern. Der Fluch prallte von ihm ab. Erst jetzt bemerkte Krabat, dass der Löwe einäugig war. Lobosch reagierte schnell und floh. Der zur Salzsäule erstarrte Krabat er-wachte erst wieder aus seiner Trance als Lobosch ihn beim Namen rief und rannte ihm hinterher.

Nach kurzer Zeit hatte Krabat Lobosch eingeholt, doch der Löwe war ihnen immer noch auf den Fersen. Krabat duckte sich unter einem Baum und stolperte. Der Löwe setzte zum Sprung an und im letzten Moment schlug Lobosch dem Einäugigen einen Stock an die Schulter. Der Löwe drehte sich zu Lobosch. Krabat konnte sich in Sicherheit bringen und rannte mit Lobosch weiter zurück in Richtung Mühle.

Auf einmal stoppten die beiden und blieben stehen. Der Löwe hatte mit einem gewaltigen Sprung den Weg zur Mühle versperrt. Plötzlich stand da, wo eben noch der Löwe gestanden hatte, der Meister und sagte: „Kommt doch wieder zu uns zur Mühle zurück!“

Parallel zu Fred Endrikats Gedicht “Die Wühlmaus” haben Schülerinnen und Schüler der Klasse 5b eigene Gedichte verfasst. Hier zwei “Kostproben”…

 

Der Schulweg

In den Aufzug und runter fahr’n,
An der Haltestelle warten viel zu viele Narr’n,
Der erste Bus kommt, sie steigen ein,
Doch ich geh erst beim zweiten rein,
Kurve, Kurve, Kreuzung, Kurve,
Haltestelle nach Haltestelle,
Alles reiht sich andeinander und wird mir von Tag zu Tag immer bekannter,
Ampel, Kurve, Kreuzung, Stop!
Jetzt muss ich durch den Menschentrott.

Ronja, 8a

Die Klasse 5d hat im Rahmen ihres Deutsch- und Kunstunterrichts ein eigenes Märchenbuch verfasst. Am Anfang standen Versatzstücke aus verschiedenen Märchen der Gebrüder Grimm, die die Schüler aus einem Stapel Karten ausgewählt haben: Eine Ausgangssituation, eine Aufgabe, die der Held zu bewältigen hatte und ein Zaubermittel, das er entweder einsetzt oder als Belohnung bekommt. Entstanden sind völlig unterschiedliche Texte – mal romantisch und märchenhaft, mal lustig und verschmitzt. Zu den verschiedenen Szenen haben die Schüler dann fantasievolle Bilder gemalt, die die Handlung illustrieren.

Maike Wersal, Ulrich Steckelberg

Die bösen Geschwister

Es waren einmal ein Junge und ein Mädel. Deren Namen waren Horst und Ursula. Sie hatten eine böse Stiefmutter, die sie immer losschickte, um Holz für den Ofen zu holen. Also machten Sie sich auf den Weg.

Sie sahen von weitem ein kleines zipfeliges Haus. Da sagte Horst: „Lass uns zu dem kleinen Haus gehen!“ Sie klopften nervös an der Tür und flüsterten: „Ist da jemand?“ Plötzlich ging die Tür auf und es sagte eine leise Stimme: „Wer seid ihr?“ Da antworteten die beiden: „Wir sind arme kleine Kinder; unsere Stiefmutter hat uns weggeschickt.“

Das tat den sieben Zwergen leid und ihr Anführer sagte: „Ihr dürft bei uns wohnen, aber ihr dürft nie, nie, niemals die geheimnisvolle Truhe öffnen. Die Kinder aber dachten sich: „In der Truhe ist sicher etwas Brauchbares, die müssen wir öffnen!“ Laut aber fragten Horst und Ursula: „Dürfen wir schon schlafen gehen? Wir sind todmüde.“

Ein paar Stunden später, als alle Zwerge tief schliefen, wachte Ursula plötzlich auf und weckte Horst. Da sagte Horst bösartig: „ Wollen wir nicht wissen, was in der Truhe ist?“ Daraufhin antwortete sie: „Na klar!“  Erfreut und nervös schauten sie sich an.

Direkt neben ihrem Bett stand eine Kerze. Mit einem daneben liegenden Streichholz zündete Ursula sie an. Nun liefen sie zu dem Raum mit der Truhe. Mit einem Knarzen öffnete Horst die Türe. Niemand hatte etwas gehört. Sie gingen in den Raum hinein. Es war ein dunkler Raum, darin stand eine alte Schatztruhe.

Horst holte eine Nadel aus seinem Beutel und stocherte damit in der Truhe herum. Mit einem Schlag öffnete sich der Deckel. Die Kinder trauten ihren Augen nicht! Gold, Rubine, Diamanten, Smaragde und andere Edelsteine überall! Außerdem waren aber noch ein paar alte Stiefel in der Truhe. Ursula hörte schnelle Schritte. Plötzlich erblickte sie einen Zettel an einem Stiefel, auf dem stand: „Diese Siebenmeilenstiefel haben besondere Fähigkeiten“. Sie zog sich die Stiefel an. Schnell füllte sie ihren Beutel voller Edelsteine und schrie: „Horst wir müssen weg!“, aber Horst reagierte nicht, so erfreut war er von den vielen Edelsteinen. Ursula sprang aus dem Fenster und rannte so schnell sie konnte davon.

Die Zwerge stürmten in den Raum und erblickten Horst. Er wollte wegrennen, doch sie packten ihn und riefen: „Du bleibst schön hier, Freundchen! Du musst nun für uns arbeiten!“ Horst musst ihren ganzen Haushalt machen, in der Mine arbeiten, ernten, Ratten einfangen, Wasser holen und das Klo putzen.

Nach einem Jahr harter Arbeit sollte Horst kochen, dabei vergiftete er die Zwerge. Sie fielen alle von ihren Stühlen und Horst ergriff die Flucht. Endlich war er frei! Er nahm sich die Rubine mit und fing ein neues Leben an. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Von Xenia Silbermann, Ioannis Riga, Felix Dörle, Soraija Gehring

Die Klasse 5d hat im Rahmen ihres Deutsch- und Kunstunterrichts ein eigenes Märchenbuch verfasst. Am Anfang standen Versatzstücke aus verschiedenen Märchen der Gebrüder Grimm, die die Schüler aus einem Stapel Karten ausgewählt haben: Eine Ausgangssituation, eine Aufgabe, die der Held zu bewältigen hatte und ein Zaubermittel, das er entweder einsetzt oder als Belohnung bekommt. Entstanden sind völlig unterschiedliche Texte – mal romantisch und märchenhaft, mal lustig und verschmitzt. Zu den verschiedenen Szenen haben die Schüler dann fantasievolle Bilder gemalt, die die Handlung illustrieren.

Maike Wersal, Ulrich Steckelberg

Der Diamantendrache

Es war einmal vor langer Zeit ein König namens Artus. Er lebte in einem Königreich mit dem Namen Germanien. Seine große Leidenschaft war schon immer die Jagd. Er hatte zwar viel zu tun, aber für das Jagen hatte er immer Zeit. Artus ging manchmal mit seinen Freunden auf die Jagd, denn er liebte die Gesellschaft seiner Freunde. Eines Tages wollte er in den Wald reiten und Wildschweine jagen. Als er dort angekommen war, sah er viele verschiedene Tiere, aber kein einziges Wildschwein. Deshalb ritt er immer tiefer in den Wald. Plötzlich sah er ein Wildschwein, das über eine Lichtung rannte. Der König ritt sofort hinterher. Das Wildschwein führte Artus zu einer dunklen Höhle. Er ging in die Höhle hinein und hörte plötzlich ein leises Brutzeln. Er wagte sich weiter hinein. Da sah er eine siebenköpfige Gestalt. Die Gestalt brüllte: „Whoooaaarrrr!“ Vor Schreck wich Artus ein paar Schritte zurück. Nun zog er sein Schwert heraus und lief wieder in die Höhle hinein.  Als er nahe genug an dem Wesen war, erkannte er einen großen Drachen mit Diamantenaugen. Sein Körper war schwarz mit grünen Streifen. Als Artus die blitzenden Augen des Drachens sah, bekam er Angst und versteckte sich hinter einem Felsen. Der Drache hatte ihn aber bereits gesehen und kam auf Artus zu. Er brüllte nochmals: „Whooooaaaaarrrr!“  Daraufhin versteckte der König sich hinter einem großen Felsvorsprung. Der Drache schmetterte einen riesigen Feuerball auf den Felsvorsprung. Dieser zersprang in tausend Teile und Rauch bildete sich. Im Schutz des Rauches rannte Artus auf ihn zu. Da der Drache ihn erst sehr spät sah, hatte Artus Zeit, ihm einen Kopf abzuhauen. Der Drache schrie laut auf. Dann tat Artus so, als würde er nach rechts laufen, wandte sich aber nach links und versteckte sich dort hinter einem kleinen Felsen.  Der Drache schaute sich um, aber er sah ihn nicht. Da entdeckte Artus gegenüber seinem Versteck ein Paar Stiefel. Er wusste, dass diese Stiefel Siebenmeilenstiefel heißen. Mit ihnen konnte man mit jedem Schritt einen weiten Weg zurücklegen. Schnell überholte er den Drachen und erstach ihn von hinten. Nun war es um den Drachen geschehen. Artus freute sich und wollte schon gehen. Da hörte er ein leises Wimmern aus der Höhle. Er ging zurück in die Höhle und fand dort in einem Loch die wunderschöne Prinzessin, die schon lange aus seinem Königreich verschwunden war.  Es war seine geliebte Tochter Theresa. Er nahm die Prinzessin auf den Arm und trug sie zu seiner Burg zurück. Dort feierten sie ein großes Fest, weil die Prinzessin zurückgekehrt war. Alle freuten sich sehr. Sie lebten seit dem Tag glücklich und zufrieden. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Von Julia, Isabell, Tim R., Sebastian

In diesem Text wird eine Leerstelle in Wolfgang Herrndorfs Roman „Tschick“ geschlossen: Wie läuft das Treffen zwischen Tschick, Maik und Isa, zu dem sie sich verabredet hatten?

50 years later

Mühsam bewege ich meine Glieder. Schmerzen bereiten mir meine Gelenke. Eine wilde Nacht, meine Fete zum 63. Die ganzen blöden, alten Tratsch-Tanten aus der Seniorengruppe kamen als „Überraschung“. Ich habe die nicht mal eingeladen! Nur gesoffen haben sie, gegessen und gespuckt! Weil sie zu blöd sind, ihr Gebiss rein zu machen! Und jetzt darf ich den Dreck der eingeladenen, nervigen Gäste wegkehren. Mit schmerzendem Rücken, kaputten Gelenken und das in meinem Alter! Genug für heute. Ich muss mich ausruhen. Ansonsten zerfrisst mich mein Rheuma.

Mit einer Hand auf dem Gehstock, mit der anderem am Geländer, hangele ich mich hinaus auf die Straße. Ab jetzt nur noch quer durch das halbe Kaff…

„Tag für Tag wird es anstrengender. Nichts fällt mir mehr leicht. Alles wird zu einer Herausforderung.“, sprechen meine Gedanken zu mir auf dem Weg ins warme Heim. „Und ach so goldige Enkel, die mir während des Tages helfen, hab‘ ich auch nicht. Ich bin bloß die verdrossene Alte von gegenüber!“

50 Meter. Schritt. 40 Meter. Schritt. 30 Meter. Schritt. 20 Meter. Schritt. Weitere 10 Meter.

Stufe. Linke Hand ans Geländer. Gehstock auf die nächste Stufe. Bein anheben. Schritt. Wiederholen.

Mit vier Schweißtropfen mehr auf der Stirn stehe ich endlich angelangt vor meiner eichenholzbraunen Holzhaustür. Das Schlüsselloch. Angespannt ziehe ich den Schlüsselbund aus meiner rechten Jackentasche. Friemle nach einer schieren Unendlichkeit endlich den passenden Schlüssel hervor. Wie automatisch beugt sich der Oberkörper nach unter, Richtung Schlüsselloch. Das rechte Augenlied klappt runter. Es erleichtert das Zielen. Der Schlüssel ist im Schloss.

Die Haustür quietscht wie gewohnt. Manchmal wie ein Willkommensgruß. Ein anderes Mal hört man das Wehklagen eines sterbenden Kindes. Die Jacke häng‘ ich auf den Haken, neben der Heizung. Die Schuhe lasse ich an. Zielstrebig steuern meine Füße den großen, ockerfarbenen Ohrensessel an. 180° Drehung. Ich spüre das weiche Polster unter mir. Gut fühlt es sich an. Warm. Jeden Tag an der gleichen Stelle. Ohne Veränderungen. Als ob er auf mich wartet. Die Wärme in perfekter Symbiose mit dem Sessel lassen meine Augenlieder schwer werden.

Grelles Licht fällt auf mein Gesicht. Augenaufschlag. Ich bin geblendet von der tief stehenden Abendsonne, die durch meine verstaubten Fenster scheint. Ich möchte aufstehen. Meine Beine verweigern. „Mein Gott, ich befehle euch alten Beine, steht auf!“ Ich bringe all meine Willenskraft auf. Es funktioniert nicht! Ich bleibe einfach liegen. Erschöpft und völlig entkräftet klappt mein Kopf nach hinten und die Gedanken strömen mir nur so durch den Kopf: „Damals war ich jung. Damals war ich sportlich. Damals war ich attraktiv. Vor 50 Jahren. Ich trug blondes, langes ungeschorenes Haar. Und schlank war ich! Ich lebte auf einer Müllkippe. Hielt mich dort über Wasser. Ab und zu stahl ich eine Konservendose von dem fetten, alten Mann, der dort ebenso wohnte. Einmal wurde ich von ihn erwischt. Er hielt mich fest. Und sagte zu mir, dass er alles vergessen werde, wenn ich nur mein Oberteil ausziehen würde. Mir blieb die Spucke weg. Ich überlegt was ich tun sollte. Besser als verhungern. Erst recht als vergewaltigt zu werden. Ich tat es. Ich hatte eh nichts zu verlieren.“

 Ein Schmunzeln huscht über mein Gesicht. „Ich überlebte es. Die Dose war es wert. So schlief ich an diesem Tag mit vollen Magen ein. Der nächste Tag. Ich räkelte mich in den heißen Sommersonnenstrahlen. Und da hörte ich es. Zwei Stimmen etwas weiter weg. Sie wurde lauter. Sie müssen sich streiten. Neugierig wie ich war, huschte ich mit flinken Mädchenfüßen über den Boden zur der Richtung, aus denen ich die Stimmen vermutete. Und da waren sie. Zwei Jungs. Ein schlitzäugiger und ein blasser.“

Mein Schmunzeln wurde breiter. Ich ärgere mich über mein altes Hirn, da es nicht mehr weiß, was danach passierte. Und da ich sowieso nicht aufstehen kann, lasse ich meine angespannten Schulter fallen, lasse mich in Erinnerungen treiben: „Ja der Blasse, der

war süß. Ich erinnere mich: Ich sitze zusammen, hautnah bei ihm. Ich genieße die angenehm kitzelnden Sonnenstrahlen, die auf mein Gesicht fallen. Wir sitzen am Ufer eines Sees. Ich genieße die Zeit mit ihm. Es ist einfach wunderbar. Es ist ein Moment, in dem die Zeit still zu stehen scheint. Und da kommt dann auch der Schlitzäugige dazu. In dieser Idylle schwören sich drei Jugendliche, sich in 50 Jahren hier zu dritt wieder zu stehen.“

 Abrupt werde ich aus meiner Gedankenwelt gerissen, in die ich kurzzeitig geflohen bin. Hektisch dreht sich mein steifer Hals von einer in die andere Richtung. Wo ist die Uhr?! Und plötzlich funktionieren auch meine Beine wieder. Wackelig, ohne Stock eilte ich so schnell ich kann durch die Wohnung. Ohne mich festzuhalten. Zielstrebig ohne Pause. Ich stehe in der Küche. Mein Blick wandert schnell nach links zur Wand. Hinauf zur Uhr. 17:37. Weiter unten Dienstag. Gestern feierte ich meinen Geburtstag. „Ich habe 63 Jahre überstanden. Vor 50 Jahren war ich dreizehn. Im selben Alter gab ich ein Versprechen. Ich breche nie meine Versprechen. Niemals!“ „Ich hätte gestern bei dem Treffen sein müssen! Ich gab mein Wort!

Was ist, wenn dort zwei Männer standen, sich nach 50 Jahren mit Tränen in den Augen in die Arme fallen und Geschichten austauschen, während sie auf mich warten? Auf mich! Ja mich, sie warteten auf MICH, Isa! Wo warst du?! Es waren vielleicht die einzigen echten Freunde, die du jemals hattest!

Und ich feierte, ohne Gedanken an andere meinen Geburtstag! „Verdammt! Ich hätte daran denken müssen! Das bin ich den beiden schuldig.“ „Verfluchte Scheiße!“, schrei ich hinaus gegen die vier Wände. Stimmen der Zweifel kommen in mir hoch, ja sogar eine Stimme, die versucht, es zu rechtfertigen.

„Was ist, wenn keiner dort war? Was ist, wenn niemand daran gedacht hat? Hat jemand überhaupt einen Gedanken an mich verschwendet?“ Tausend weitere Gedanken schießen in Windeseile durch meinen Kopf. Abgelenkt werde ich nur durch meine schmerzenden Gelenke. Schwindel überfällt mich. Unbeholfen plumps ich auf meinen Stuhl. Die Welt um mich herum dreht sich immer schneller. Ein letzter Gedanke bleibt: „Vielleicht denken Sie, dass ich tot bin?“

(Marius, 9. Klasse)