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Die Bayerische Informationsstelle gegen Extremismus (BIGE) klärte auf

Um ein Aussteigerinterview an einer Schule möglich zu machen, wird vorab in einem Workshop über Extremismus durch die BIGE aufgeklärt. In jeweils drei Schulstunden beschäftigten sich die Schüler unserer zehnten Jahrgangsstufe dabei mit folgenden Fragen: Was bedeutet Extremismus eigentlich? Warum schließen sich Jugendliche extremistischen Gruppierungen an? Welche Dresscodes hat der Rechtsextremismus? Was kann man gegen Extremismus tun?

Anhand von Grundrechten, wie der Menschenwürde, der Meinungsfreiheit und dem Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, eruierten die Jugendlichen mit Thomas Estrada von der BIGE, dass die Menschenrechte da ihre Grenze hätten, wo die Würde, das Leben und die Freiheit eines anderen bedroht wären. Extremisten wollen die Kernelemente unserer Verfassung abschaffen und unsere Demokratie beseitigen. Klar ist zu unterscheiden, dass es verschiedene extremistische Gruppen gibt (z.B. Rechtsextreme wie „Der rechte Weg“ oder „Die identitäre Bewegung“, Linksextreme, …). Diese verfolgen unterschiedliche Ziele, teilen aber alle den Willen, die Demokratie abschaffen zu wollen.

Mittels des 17-minütigen Kurzfilms „RADIKAL“ gingen die Schüler der Frage auf den Grund, warum manche Jugendliche extremistisch werden. Dies könne beispielsweise an Aggressionsproblemen oder einem zerrütteten Elternhaus liegen. Die jungen Erwachsenen sind unzufrieden mit sich selbst und fühlen sich allein gelassen. Sie sind häufig einfach gegen alles, ohne zu wissen, wofür sie eigentlich sind. Das macht sie leicht beeinflussbar und extremistische Gruppierungen, wie Linksextreme, Rechtsextreme oder Salafisten nutzen dies für ihre Zwecke aus. Sie bieten den Verzweifelten vermeintliches Verständnis, eine Gemeinschaft Gleichgesinnter und damit ein Gefühl der Zugehörigkeit.

In einer weiteren Einheit wurden den Jugendlichen verbotene Symbole und Zeichen der rechtsextremen Szene, wie beispielsweise das Hakenkreuz oder die „Siegrunen“ der SS erläutert. Glatzen, Springerstiefel und Bomberjacken seien out, so Estrada. Häufig verfallen die Neonazis auf selbsterfundene Logos oder verstecken ihre Botschaften hinter Ziffern und Buchstaben. Zusätzlich spielt häufig die Farbsymbolik – schwarz, rot und weiß – eine Rolle. Wenn auf einem schwarzen T-Shirt vorne horizontal zwei rote Balken zu sehen sind, zwischen denen in zwei Zeilen die Konsonanten HKNKRZ stehen, so steht das für Hakenkreuz, wobei nur die Vokale weggelassen wurden. Trotz der Verbote lassen sich bis heute vor allem in Kleidung immer wieder Anspielungen auf extremistische Hintergründe finden, z.B. bei der britischen Sportmarke Lonsdale. Auch wenn man beim Tragen einer Jacke auf dem Shirt „nur“ die Buchstaben „NSDA“ sieht, lässt sich klar erkennen, dass dies mit der „NSDAP“ zu verknüpfen ist. Das Modellabel „ellesse“ wurde von der Szene in „enness“ umgetauft, was sich als NS liest.

Estrada schloss seinen Workshop mit Aufforderung an die Schüler*innen, aktiv etwas gegen den Extremismus zu tun.

Ein Feedback einer Schülerin nach dem Workshop:

In Zeiten, in denen extremistische Ideologien weltweit an Bedeutung gewinnen, ist es von entscheidender Bedeutung, sich mit solchen Themen auseinanderzusetzen, um Verständnis zu fördern und aktiv gegen Radikalisierung vorzugehen. Deshalb halte ich diesen Workshop auch für so sinnvoll. Ein Angebot für die 8. und 9.  Jahrgangstufe wäre in Betracht zu ziehen, da man die Möglichkeit hat, die eigenen Überzeugungen und Werte zu reflektieren. Durch die Auseinandersetzung mit extremistischen Ideologien kann man seine eigenen Standpunkte stärken und fundierte Entscheidungen treffen. Dies fördert eine aktive Bürgerschaft und stärkt die Demokratie. Allerdings ist anzumerken, dass ein Extremismus-Workshop allein nicht alle Probleme lösen kann. Es ist ein erster Schritt, um Bewusstsein zu schaffen und den Dialog zu fördern. Es erfordert jedoch eine kontinuierliche Anstrengung, um die erlernten Konzepte in die Praxis umzusetzen und nachhaltige Veränderungen zu bewirken. Indem wir uns mit diesem Thema auseinandersetzen, können wir gemeinsam daran arbeiten, Extremismus zu bekämpfen und eine inklusive und friedliche Gesellschaft aufzubauen.

Der Workshop war die Voraussetzung für das Aussteigerinterview, welches eine Woche später mit der ganzen Jahrgangstufe im Mehrzweckraum stattfand. Bei diesem haben die Jugendlichen einen Einblick in das Leben nach dem Ausstieg und auch vor dem Ausstieg einer ehemaligen rechtsextremen Person bekommen. Das Interview zeigte viele Etappen vom Einstieg in die rechtsextreme Szene bzw. wie es dazu kommen konnte bis hin zum Ausstieg und das Leben danach. Zu Beginn hat Thomas Estrada ein Einzelgespräch mit der Person darüber geführt. Anschließend konnten noch Fragen gestellt werden.

Auch hier reflektierten ein Schüler anschließend: Mir hat das Aussteigerinterview gefallen, da sehr detailliert darauf eingegangen wurde, wie der schleichende Prozess des Rechtsextremwerdens abgelaufen ist. Man konnte gut mitverfolgen, wie sich die Person mit 16 Jahren naiv auf neue Leute in einer Bar eingelassen hat und wie sie dann langsam immer weiter in diese Gruppe reingezogen wurde. Außerdem war es toll, wie offen und ehrlich sie alle Fragen beantwortet hat und auch immer sehr deutlich erzählt hat, wie und was alles passiert ist. Es wurde uns klar vermittelt, wie gefährlich es sein kann, in einer rechtsextremen Gruppe zu sein.

 

 

Das DG hat gewählt – in der Woche vor den Landtagswahlen in Bayern und Hessen waren die Schülerinnen und Schüler aller 10., 11., und 12. Klassen eingeladen, an der U18-Wahl teilzunehmen Im Vorfeld haben sie sich über ihre grundsätzliche gesellschaftspolitische Haltung sowie ihre parteipolitischen und durchaus auch persönlichen Vorlieben in Bezug auf die Kandidaten Klarheit verschaffen können. Die Wahl liegt – schaut man auf die Zweitstimmen – einerseits im Trend, zeigt aber auch einige Abweichungen von bayernweiten Ergebnissen.

Hier das Gesamtergebnis der DG-Wählerschaft:

Partei Erststimmen % Zweitstimmen %
CSU 78 35,9 84 38,7
Grüne 20 9,2 22 10,1
FW 11 5,0 13 6
AfD 30 13,8 26 12
SPD 16 7,4 13 6
FDP 11 5,0 9 4,1
Die Linke 16 7,4 15 7
Bayernpartei 5 2,3 6 2,8
ÖdP 6 2,8 8 3,7
Basis 4 1,8 6 2,8
VOLT 16 7,4 8 3,7
Enthaltungen 4 1,8 7 3,22

 

Hier das Ergebnis der Zweitstimmen, geordnet nach Wahlerfolgen

Partei Zweitstimmen %
CSU 84 38,7
AfD 26 12
Grüne 22 10,1
Die Linke 15 7
FW 13 6
SPD 13 6
FDP 9 4,1
ÖdP 8 3,7
VOLT 8 3,7
Bayernpartei 6 2,8
Basis 6 2,8
Enthaltungen 7 3,22

 

(Anmerkung zur Berechnung: Es gab 217 abgegebene Stimmen; die Zehntelziffern sind gerundet. Die kleinen Parteien ab einschließlich der FDP wären nach dem DG-Ergebnis nicht im Landtag vertreten.)

 

Die volle Wahlurne vor der Erbrechung des Siegels (mit StRin Evi Obereisenbuchner, StRefin Sarah Holendung und Fachbetreuer StD Rafael Rempe)

 

Zum Landesergebnis von Sonntagabend passt, dass die FDP den Einzug ins Parlament deutlich verfehlt sowie auch der lange Zeit scheinbar recht klare zweite Platz für die AfD und „natürlich“ der eindeutige Sieg der CSU. Mit ihrem Hallstadter Zugpferd Melanie Huml liegt die Regierungspartei hier sogar deutlich über dem Landesergebnis.

Unterschiede zeigen sich bei den Stimmanteilen der Grünen (am DG mit etwa 10% fast ein Drittel schwächer als auf Landesebene), im andererseits starken Abschneiden der Linken mit selbstbewussten 7% sowie einem mit 13% etwa doppelt so hohen Anteil an Stimmen für die „kleinen Parteien“.

 

Das DG und die bayernweite u18-Wahl

Auch im Vergleich mit der bayernweiten Auszählung der u18-Wahlen zeigt sich, dass die CSU (und auch die Linke!) in der Domstadt über dem Durchschnitt liegt. Die Freien Wähler sind etwa gleichauf, während die SPD hier nicht einmal die Hälfte der bayernweiten Zweitstimmen einfahren kann. Immerhin: Die AfD liegt am DG mit 12% der Stimmen deutlich, etwa ein Drittel, unter dem Bayern-Ergebnis, während die Grünen bei uns doppelt so stark abschneiden. Und während die drei anderen kleinen Parteien in etwa gleich schwache Ergebnisse erzielen, hat die eher linksliberale, ökologische und proeuropäische VOLT-Partei an unserer Schule ein nicht ganz doppelt so starkes Ergebnis erzielt (3,7 gegen 2%). Ob hier der EU-Planspiel vom Jahresbeginn nachwirkt?

 

Nach der Wahl heißt es: auszählen, nachzählen, überprüfen …

 

… bis am Ende die Ergebnisse „amtlich“ feststehen … und nach München weitergeleitet werden können

 

Das DG im Vergleich mit dem Ergebnis des Wahlbezirks Bamberg Stadt

Schließlich: Vergleichen wir die Zweitstimmen der Juniorwahl von ganz Bamberg mit dem DG-Ergebnis, zeigt sich „bei uns“ ein eher maßvolles Resultat mit hier deutlich stärkerer CSU (38 gegen 23 %) bei gleichzeitig deutlich schwächerer SPD und Freien Wählern (die in BA sogar knapp unter der 5%-Hürde landen). Dafür ergibt sich im Stadtbezirk eine deutlich stärkere Polarisierung: Mit 18,8% für die AfD sowie über 10% für die Linke erfasst diese ein knappes Drittel aller Wählenden!

Auch VOLT kann in der Schul- und Studentenstadt BA deutlicher punkten (3,6%, am DG 3,7%), während ÖDP und BP weit abgeschlagen hinter den Coronaskeptikern und Verschwörungsschwurblern von der Basis landen.

Fazit – ein Fazit? Nun, die Juniorwahl zeigt, dass viele Jugendliche durchaus eine Haltung haben und sich auch für kleinere Parteien und deren Anliegen zu interessieren scheinen. Zudem wird eine an sich erfreuliche Vielfalt im Meinungsspektrum bei gleichzeitigem Wunsch nach Beharrung oder zumindest einer Ablehnung allzu radikaler Veränderungswünsche deutlich.

Will man nach dem Wahlergebnis thematisch etwas kritisch auf die Medienberichterstattung blicken, muss so manches Vorurteil nochmals zurechtgerückt werden: Weder ist ressentimentgeladene, fremdenfeindliche und menschenverachtende Politik eine Nische frustrierter mittelalter Männer noch der Wunsch, endlich ernst zu machen mit dem Kampf gegen den Klimawandel ein „die“ Jugendlichen einendes Ziel. Aber auch eine gedanklich entkernte „Technologieoffenheit“ à la FDP scheint die Jugendlichen im Jahr 2023 nicht mehr anzusprechen, ganz im Gegensatz zur letzten Juniorwahl.

So bleibt es auch weiterhin spannend, gerade auch mit Blick auf die EU-Wahlen im kommenden Jahr. Dann dürfen auch unsere 16-jährigen Schülerinnen und Schüler „in echt“ mit abstimmen!

Zu den Vergleichsergebnissen der u18-Wahl kommt ihr leicht über https://wahlen.u18.org/wahlergebnisse/landtagswahl-bayern-2023, während die Ergebnisse der Landtagswahlen über alle seriösen Nachrichtenportale (z.B. von ARD, ZDF, Spiegel, Zeit etc.) und natürlich die Seite des Landeswahlleiters (https://landtagswahl2023.bayern.de/) bzw. des Bayerischen Landtags abgerufen werden kann (u.a.:  https://www.bayern.landtag.de/aktuelles/landtagswahl-bayern-2023/ bzw.  https://www.bayern.landtag.de/aktuelles/).

 

Rupert Plischke, für die Fachschaft Sozialkunde/Politik und Gesellschaft

 

 

Einen Tag in der Rolle eines Abgeordneten des europäischen Parlaments? Auf dem Weg zu einem neuen EU-Gesetz? Dass auch junge Menschen diesen schwierigen Weg erfolgreich gehen können, erfuhren unsere Schülerinnen und Schüler beim Planspiel gleich zu Schuljahresbeginn an der Universität gegenüber des DG. Mit diesem positiven Urteil schaute einer unserer Schüler auf einen anstrengenden `Tag in der Politik´ zurück:

 

Das Planspiel hat meiner Meinung nach ein praktisches Verständnis für das Zusammenspiel der verschiedenen EU-Organe sowie für die Arbeit des EP im Speziellen geschaffen. Zudem hat es uns die große Bedeutung der Zusammenarbeit auf EU-Ebene (z.B. im Bezug auf das Thema Asyl Migration) verdeutlicht. Besonders der Austausch und das Zusammenarbeiten mit anderen politisch interessierten Jugendlichen hat mir sehr viel Spaß gemacht.

 

Die Asyl- und Migrationspolitik ist eines dieser Themen, die die EU-Politiker immer und immer wieder beschäftigen: In regelmäßigen Abständen – vor allem seit 2015 – steht es auch im Zentrum der Medienaufmerksamkeit und ist Gegenstand kontroverser öffentlicher Debatten. Es scheint, als seien die EU-Staaten unfähig, sich trotz vieler Flüchtlingstragödien auf ein gemeinsames Vorgehen zu einigen. Warum ist das so? Dieser Frage gingen die Schülerinnen und Schüler unserer Klassen 10a und 10d mit der überparteilichen Organisation „Die Jungen Europäischen Föderalist:innen (JEF) e.V.“ auf den Grund.

Als Mitglied in einer Fraktion und einem Ausschuss begleiten die Schülerinnen und Schüler ein Gesetz zur Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems vom Entwurf bis zur finalen Abstimmung im Plenarsaal.

 

Dabei konnten sie selbst mit Änderungsanträgen Einfluss nehmen und mit kurzen Redebeiträgen andere Abgeordnete überzeugen.

Abstimmung in der Fraktion

 

Mehrheiten müssen organisiert werden: Abstimung gemeinsam mit anderen Fraktionen

 

Als Fraktionsmitglied schlüpfte jeder in eine bestimmte Rolle (Parteiprofil, Land etc.). Dafür ein Beispiel: ein Parlamentarier aus Deutschland, welcher der europäischenRenew Europe und in D der FDP angehörig ist.

Der Weg zur Reform war jedoch mit schwierigen Fragen gepflastert: Sollten die Staaten in bisherigen Umfang Flüchtlinge aufnehmen? Oder besser ihre Maßnahmen zur Sicherung der gemeinsamen Außengrenze verstärken? Würde man sich für die Aufnahme weiterer Flüchtlinge entscheiden, lauern bereits die nächsten Fragen: Welcher Staat muss wie viele Flüchtlinge aufnehmen? Und: Sollte der Schwerpunkt der Maßnahmen nicht ohnehin besser auf die Bekämpfung der Fluchtursachen statt auf die Aufnahme von Flüchtlingen gelegt werden?

Die aktive Teilnahme hat das Verständnis über die Zusammenhänge des Europäischen Gesetzgebungsverfahren bei den Lernenden gefördert. Durch dieses Planspiel lernten sie vertiefend politische Prozesse kennen und Kompromisse zu finden. Auch wegen der im Jahr 2024 anstehende Europawahl ist das Thema für die jüngeren Bürgerinnen und Bürger sehr aktuell, da sie bereits ab 16 Jahren an dieser Wahl teilnehmen dürfen.

Die kurzen Redebeiträgen auf der Bühne verlangten Mut und Überzeugungskraft. Auch der Zweite Bürgermeister Bambergs, Jonas Glüsenkamp, welcher die TeilnehmerInnen vorab über den Mehrwert politischer Mitwirkung, ausgehend von der Kommunalpolitik, aufgeklärt hatte, war angetan von der Diskussionsfreude unserer „Politiker“.

Grußwort Bürgermeister Glüsenkamp

 

Unser ID-Vertreter beim Abschlussstatement

 

Am Ende wurde der ‚Deal‘ per Handzeichen beschlossen und somit eine mehrheitsfähige Lösung für den Streit gefunden – eine Herausforderung, an der das Europäische Parlament bis heute scheitert!

In einer abschließenden Feedbackrunde lobten die Veranstalter die kontroverse Diskussion der Schülerinnen und Schüler – ein gelungener Tag. Auf diese Weise konnte – hoffentlich – ihr Bewusstsein für eine gemeinsame europäische Identität sowie Interesse an politischer Partizipation geweckt werden. Gegen 15 Uhr gingen ein ereignisreicher Tag `in der Politik´ und eine gewinnbringende Möglichkeit, Politik live und aktiv erleben zu können, zu Ende. Wir hoffen, dass die Eindrücke und Erlebnisse auf dem Weg zu einem neuen Gesetz noch weiterwirken werden.

Das Dientzenhofer-Gymnasium und die Fachschaft Sozialkunde/Politik und Gesellschaft danken allen Organisatoren und Mitwirkenden für diese einmalige Gelegenheit und ziehen folgendes Fazit:

 

Mit dem Planspiel haben die Schülerinnen und Schüler ein Gefühl dafür bekommen, wie schwierig es ist, einen Konsens innerhalb der EU beim Thema Asyl- und Flüchtlingspolitik zu erreichen. Noch wichtiger ist es aber, dass sie Multiperspektivität erlebt und glaubhaft Positionen vertreten haben, die sie persönlich vielleicht gar nicht teilen.

 

Sarah Holendung, Hannah-Sophia Hornstein und Rupert Plischke, für die Fachschaft Sk/PuG

Weimar … und: Das Konzentrationslager Buchenwald (Leon Sander) 

 

Die Durchsage „wir sind bald da!“ lässt uns Schüler im Bus munter werden. Galgenhumor – ein Ausdruck der Überforderung. Eine umso drückendere Stimmung, je näher wir diesem grausamen Ort kommen. Wir sind da! 

Die Lehrkräfte starten die Führung, sie lassen uns durch ihre Exkurse in die Vergangenheit abtauchen, in die Jahre 1933ff. Alle hörten gespannt zu; der Exkurs in die längst vergangene Zeit endet jedoch zeitig und aus dem vorherigen Galgenhumor wird Interesse: das Interesse, sich alleine auf den Weg zu machen und zu erfahren, was hier passiert ist. In kleinen Gruppen untersuchten wir das Gelände auf alte Überreste des längst demontierten Konzentrationslagers ab. Denn wir stellten uns viele Fragen. Am Tor steht der bekannte Satz „Jedem das seine“. Von außen ist dies spiegelverkehrt geschrieben, sodass es die Insassen lesen können. Das Motto bedeutet eigentlich z.B., dass ein Mensch den Lohn bekommt, den er verdient – aber für diese vielen unschuldigen Menschen bedeutet er nichts Gutes. Das größte Interesse auf dem weitläufigen Gelände weckte das Krematorium. Schon beim Betreten dieses Lagers des Grauens fiel auf, dass dieses Gebäude gut erhalten war. Im alten Gebäude konnten wir uns bildlich vorstellen, was hier geschah: Ein ungutes Gefühl erfasste die Gruppen, eine bedrückende Stille fuhr durch alle Gruppen. Doch die Neugier siegt erneut. Wir erkunden das Gelände weiter. 

Das 400.000 Quadratmeter große Gelände scheint sehr übersichtlich; es hat eine klare Struktur. Leicht überwachbar ist es von allen Seiten, doch es erscheint unvorstellbar, dass hier 277.800 unschuldige Menschen festgehalten und gefoltert wurden, nur weil sie eine andere Religion, Herkunft oder Meinung hatten. 

 

Ein Lager – im Lager? 

Das kleine Lager, eigentlich ein Stall, gerade mal so groß, dass 50 Pferde hineinpassen, wird zur NS-Zeit umgebaut zu einer Hölle auf Erden. Dort mussten durchschnittlich 2000 Menschen leben. Im Jahre 2023 zeigt sich uns eine Gedenkstätte, grünes Gras, hohe Bäume und Vogelgezwitscher – überall Zeichen für Leben! Doch in den 1940er Jahren liegt ein Gestank des Todes in der Luft. Auch hat die SS die Bäume gefällt, um den Insassen das vielleicht letzte Zeichen der Hoffnung, die immer wieder aufbrechende Natur, zu nehmen. 

Das Interesse wandelt sich zu einigen Erkenntnissen: Was unterscheidet den Menschen von Tieren? Der Mensch besitzt kognitive Fähigkeiten, Kultur, Zivilisation und ein Bewusstsein. Wenn wir Menschen dies nicht mehr haben, sind wir dann Tiere? Die SS, die zur Zeit Hitlers als Unterdrückungswerkzeug diente, leitete diese Lager mit Brutalität und Zynismus. Die Gefangenen wurden zu Nummern, man nahm ihnen die Menschlichkeit, die Namen und die Identität und versuchte, die oben genannten Eigenschaften auszutreiben. Durch all diese Grausamkeit und Brutalität des Lagersystems zeigt die SS, dass sie keine Menschlichkeit kennt – sind das noch Menschen? 

 

Nach der Abfahrt aus der Gedenkstätte hielten wir noch kurz an einem Zeugnis monumentaler DDR-Architektur, das bereits kurz nach dem Bau wie auch heute noch umstritten ist, u.a. wegen der Auswahl von Inhalten sowie eben der monumental gehaltenen Bauweise im „Stil totalitärer Herrschaftsarchitektur“, wie es auf der Homepage des Mahnmals heißt. „Doch indem den Toten mit dem Rückgriff auf eine klassische Formensprache ein monumentaler Gedächtnisort errichtet wurde, ist das Mahnmal auch als ein Versuch zu sehen, sowohl auf die Größe des Verbrechens als auch auf das Vergessen der Zeit zu reagieren.“ 

In ägyptischem Stil gestaltet und weitgeschwungenem Bogen aufgestellt: die Feuerschalen. 

 

Auf den insgesamt sieben Opferstelen sind die Nationen vermerkt, deren Angehörige in Buchenwald leiden mussten und zu oft zu Tode kamen. Sieben Stelen – für sieben Jahre Terror und Gewalt. 

 

Der berühmte Glockenturm – eines der unfreiwilligen Wahrzeichen Weimars, bereits aus der Ferne zu sehen.   

 

Auf der Homepage des Mahnmals findet man einen Übersichtsplan, der die überwältigende Größe der Anlage verdeutlicht; interessant auch die Hinweise auf die Nachnutzung bzw. den Verfall des Komplexes, dessen sich die Verantwortlichen erst spät bewusst wurden (vgl. https://www.buchenwald.de/de/geschichte/historischer-ort/gedenkstaette/mahnmal). 

 

Kontrastprogramm: Kunst, Kultur und Kunsthandwerk auf höchstem Niveau – ein Tag in Weimar (Annika Raab und Madlen Hauptmann)

Unsere „Fußbusfahrt“ begann unter musikalischer Begleitung durch Stan. Doch das war längst noch nicht alles. Nachdem wir auf dem Marktplatz angekommen sind, ging es für „Team Helmi“ direkt weiter zum Nationaltheater, vor allem zu den berühmten Statuen von Schiller und Goethe.  

Darf bei keiner Weimartour fehlen: das berühmte Theater mit den beiden berühmten Dichtern …  

 

Bei unserem Rundgang haben wir gekonnt jede Abkürzung gemieden, wodurch jedoch eine umso informativere Stunde über Goethe, Schiller, Wieland, Herder und Kotzebue entstand,  

 

Schöne Ecken in einer schönen kleinen Stadt:  

Wittumspalais und Schloss

 

welche uns zum Bauhaus Museum führte.
Dort wurde leider einiges an Vorwissen vorausgesetzt, weshalb der Tourguide womöglich mehr enttäuscht von uns war als wir von seiner Führung. Doch immerhin konnte Frau Helmstetter mit ihren eigenen Einwürfen besser unser Interesse für das Thema wecken.  

Bild Blick ins Bauhausmuseum  

 

Danach konnte es nur bergauf gehen und so war es auch. Die nette Dame im Goethe-Museum konnte uns mit ihrer Führung begeistern, bevor wir uns wieder auf den Rückweg nach Bamberg machten. 

 

Die Welt und die Liebe… und die Liebe zur Welt, ansprechend aufbereitet im Museum:  

 

Immer wieder faszinierend: das virtuelle Lexikon zu Goethes Werken

 

Immer wieder beeindruckend: der Adler im „römischen Zimmer“

 

Am Ende war Goethe 83 Jahre alt: ein Blick in sein Sterbezimmer.  

 

 

Wir Lehrkräfte schließen uns den geschilderten – zumeist positiven – Eindrücken gerne an und sind der Meinung, dass die zweitägige Fahrt mit den Blicken auf die glanzvollen wie die düsteren Seiten unserer Geschichte und Kultur gewinnbringend war. Sehr erfreulich war auch die diesmal konstruktive und harmonische Atmosphäre in den Gruppen, die die Fahrt auch in Sachen Teambuilding und Geselligkeit zu einem Erfolg werden ließ. 

 

B. Helmstetter, R. Plischke, B. Reidelshöfer, R. Rempe

Am Donnerstag, 29. Juni werden MdB Andreas Schwarz und Bundeswehr-Jugendoffizier Dahny Sahm im Mehrzweckraum mit unseren 10.Klässlern über das Thema „Wehrhafte Demokratie“ sprechen und diskutieren. Dabei geht es sowohl um die außen- wie auch die innenpolitischen Aspekte des Themas. Wir freuen uns sehr auf eine durchaus auch kontroverse Diskussion!

 

Rafael Rempe (für die Fachschaft „Politik und Gesellschaft“)

 

Melanie Huml im Kreis der DG-Schülerinnen*, mit denen sie am 01.02.2023 im Gespräch war

Politiker: `die da oben´, `ganz weit weg, reden `unverständliches und langweiliges Zeug´ – solche und ähnliche Sprüche sind oft zu vernehmen, wenn es um unsere gewählten politischen Vertreter geht. Dass es auch ganz anders sein kann, dass „die da oben“ in Wahrheit von „uns da unten“ kommen bzw. ganz normale Menschen sind, das zeigte sich beim Besuch der bayerischen Staatsministerin für Europaangelegenheiten und Internationales an unserer Schule.

Ministerin M. Huml und Schulleiterin B. Cleary bei letzten Absprachen

Melanie Huml, CSU-Mitglied und aus dem Landkreis Bamberg, stellte sich nach dem kurzen Grußwort von OStD´in Cleary vor und brach gleich mit netten Anekdoten von ihren ersten Wahlplakaten das Eis. Dass sie zudem als Ärztin auch eine „richtige Ausbildung“ durchlaufen und auch anfangs neben ihrer politischen Tätigkeit in München noch als Ärztin weitergearbeitet hat – auch dies zeigt die enge Verzahnung von Alltag, Leben und Politik, die ihr wichtig ist. Und so forderte sie alle zum Mitmachen auf, „erstmal egal, in welcher Partei“ – wichtig sei es überhaupt, „sich einzumischen“! Denn auch kleine Schritte sind wichtig; und letztlich entscheidet in der Demokratie ja der Wähler, d.h.  wir alle. Insofern sind politische Karrieren auch schlecht planbar, so die Ministerin.

Ein bisschen Grundlageninfo musste sein …

Nach dem kurzen familiären und beruflichen Abriss, der sie über JU und CSU, den Kreisrat und den Landtag seit 2007 ins Kabinett geführt hatte, bot die Ministerin einen umfassenden Vortrag zu Bayern, den politischen Ebenen hier wie auch der Einbindung in die EU. So schließt sich der Kreis zum DG – seit letztem Schuljahr schon sind wir ja Erasmus+-Schule und werden bei einzelnen Projekten besonders gefördert. Bayern als „Brücke zwischen Ost und West“ – ja, Kontakte nach Österreich, Tschechien, Ungarn liegen auf der Hand. Aber wer wusste vom festen bayerischen Büro in Ukraine? Hier wie auch in anderen Teilen der Welt ist die Ministerin mit ihrem Team unterwegs, um für bayerische Interessen und Standpunkte zu werben.

In der sich anschließenden Fragerunde wurden einige Aspekte nochmals im lockeren Gespräch vertieft – wieso Politik, wieso die CSU? Wieviel verdient sie als Ministerin? Zur Cannabislegalisierung steht die Ärztin Huml, nicht überraschend, eher in kritischem Verhältnis. Beim Ausbau der Beziehungen zu östlichen Nachbarn,  auch Polen, ist ihr auch der Akzent der Versöhnung in geschichtlicher Perspektive wichtig. Absenkung des Wahlalters – prinzipiell ja, aber da müssten auch die anderen Rechte und Pflichten junger Menschen bedacht und entsprechend angepasst werden.

Ihre „normale“, vollgepackte Arbeitswoche schilderte sie anschaulich, mit den vielen Terminen rund um Kabinetts- und Fraktionssitzung, die Stunden im Landtag; dazwischen heißt es, alle vier bis sechs Wochen nach Brüssel bzw. Strasbourg zu fahren, neben Reisen innerhalb Bayerns und im EU-Ausland. Deutlich wurde uns das ungemein breite Spektrum der Themen und Aufgaben. 12 Stunden auf den Beinen – das ist „Normalität“ im Politalltag. Ohne Fleiß, starke Disziplin und gute Organisation ist das Pensum wohl nicht zu bewältigen.

„Omann, worüber so ein Politiker alles Bescheid wissen muss! Das sind ja ganz verschiedene Bereiche!“ „Das ist ein richtiger Full-Time-Job! Wow“ – so und ähnlich klangen Rückmeldungen einiger unserer Schüler.

Und auch ganz persönlich schien die Ministerin Eindruck gemacht zu haben, wie diese „Fans“ hier zeigen:

 

Wir danken Melanie Huml für die Zeit und Gelegenheit, eine Politikerin und politische Abläufe einmal konkret, direkt, aus der Nähe erleben zu können. Und vielleicht – hoffentlich – nutzt ja der eine oder andere der Zuhörenden die ausdrückliche Einladung, den Kontakt zu halten.

Für die FS Sk PuG und das Studienseminar Sk/PuG, R. Plischke