Im Rahmen des Geschichtsunterrichts hatten wir am 12.Februar die Gelegenheit, ein Zeitzeugengespräch mit Herrn Clausnitzer, der in der DDR aufgewachsen ist und 1983 per Ausreiseantrag in die BRD gehen konnte, zu führen. In dem Gespräch berichtete er eindrucksvoll über das Leben in der DDR und über persönlichen Erfahrungen mit der Berliner Mauer und dem Ministerium für Staatssicherheit. Besonders interessant war, dass er sagte, sein Leben sei im Alltag nicht so stark eingeschränkt gewesen, wie es heute oft dargestellt wird. Er erklärte, dass er als junger Mensch sein normales Leben geführt habe – mit Schule, Ausbildung, Freunden und Freizeit. Natürlich habe es Regeln, staatliche Vorgaben und ständige Stasi-Überwachung gegeben, aber im täglichen Leben habe er sich dadurch nicht ständig eingeschränkt gefühlt. So war es für ihn und seine Freunde beispielsweise normal, bei einem Umzug zuerst alle Steckdosen nach Wanzen zu untersuchen. Auch sei seine Wohnung bei einem längeren Urlaub von der Stasi heimlich aufgebrochen worden. Welche Freunde bei der Stasi gewesen sind, habe er aber erst im Nachhinein durch seine Stasi-Akte, die er auch für uns dabei hatte, erfahren und dabei manche Überraschung erlebt. Obwohl er sich lange Zeit in der DDR arrangieren konnte, wuchs seine Unzufriedenheit, sodass er mit einem Freund auch abenteuerliche Fluchtpläne schmiedete, der sich dann zerschlug, da die Fluchtroute entdeckt wurde. So stellte er 1980 einen Ausreiseantrag, weil er „so ein Leben für [s]eine Kinder nicht wollte“, der nach drei Jahren endlich genehmigt wurde.
Am Ende des Gesprächs nahm er sich noch Zeit, um all unsere weiteren offenen Fragen ausführlich zu beantworten. Dadurch wurde das Gespräch sehr persönlich und lebendig.
Jan Krauß, 10c