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Foto: Werner Lorenz

Am Montag den 23.03.26 fand am Franz-Ludwig-Gymnasium Bamberg eine Vorstellung des Dramas Andorra von Max Frisch statt, die die Klassen 9a, c, d und e des DG besuchten. Die Schülerinnen und Schüler hatten das Stück, in dem es modellhaft um Diskriminierung, Identität und Mitschuld geht, vorbereitend als Lektüre im Unterricht gelesen. Für die Förderung der Eintrittsgelder danken wir dem KS:Bam. Die Aufführung war eine Kooperation von FLG und Theater im Gärtnerviertel (TiG). Sie wurde von fünf Schauspielern des TiGs und flankierend fünf Schülern des FLG bestritten, die episches Theater zeigten – mit den genretypischen Verfremdungseffekten, die den Zuschauer in eine kritische Auseinandersetzung zwangen – wie Marek Rodatos und Vincent Ummenhofer, Klasse 9a:

Marek: „Jetzt nachdem wir sowohl das Stück gesehen als auch das Buch Andorra gelesen und uns im Unterricht damit befasst haben: Hat es deinen Erwartungen entsprochen? Mir hat das Stück gefallen, besonders die Nutzung der Kreuze, die mit den Klamotten der Charaktere bezogen waren.

Vincent: „Mich hat das Stück bis zur Pause sehr, danach aber weniger überzeugt. So war die Inszenierung in vielen Teilen wie zum Beispiel im Text sehr nah am Original gehalten und im Spiel, in der Darstellung super umgesetzt. Allerdings wurden meiner Meinung nach aus den letzten Bildern leider entscheidende Szenen gekürzt oder gänzlich weggelassen. Das letzte Viertel war vom Text und vom Spiel her leider sehr stark gerafft.

Marek: „Du musst bedenken: Das Stück war auch so mit zwei Stunden schon lang, besonders für Schüler der neunten Jahrgansstufe, und alles in allem war es gut gelöst, finde ich. Die Zeichnung der Figuren war gut, und die Message wurde auch so rübergebracht. Außerdem gab es andere Aspekte der Darstellung, die für mich mehr ins Gewicht fielen, wie zum Beispiel, dass fast alle Rollen zwischen den Schauspielern durchgetauscht wurden, was insgesamt zu facettenreicheren Charakteren beigetragen hat, als wenn eine Figur durchgehend vom selben Schauspieler verkörpert wird.“

Vincent: Das stimmt. Allerdings waren diese schnellen Rollenwechsel zu Anfang des Stücks für manche bestimmt verwirrend, vor allem, wenn man nicht wie wir im Vorhinein das Drama gelesen hat. Diese ‚Galgen-Garderobenständer‘ boten einen interessanten Verfremdungsaspekt im Stil des Epischen Theaters. Wie fandest du den Einsatz der Jugendlichen des FLG?

Marek: Für mich wurden sie zu abrupt und zu wenig eingesetzt. Dadurch, dass sie sich meist nur außen herum bewegt haben, gingen sie für mich in der Gesamtheit der Aufführung unter. Dennoch haben sie einen wichtigen Teil beigetragen. Sie haben als Schüler die Zeitlosigkeit des Stücks verdeutlicht, indem sie Bezüge zwischen Andorra und Themen, die Jugendliche heute besonders betreffen, an die Zuschauerschaft herangetragen haben, zum Beispiel haben sie für die unterschiedlichen Gesichter von Antisemitismus sensibilisiert und die Wehrdienstreform integriert. Cool fand ich da auch den Einbau der Lesung zu gewaltlosem und gewaltsamem Antisemitismus, das war wie eine Collage – very „episches Theater“ …

Vincent: „Ich stimme dir völlig zu, dass solche Themen von großer Wichtigkeit sind. Dennoch bin ich der Meinung, dass Inhalte wie Antisemitismus oder die Wehrdienstreform an dem Stück in seiner feinen Vielschichtigkeit vorbeigehen. Das sind für mich nicht die Punkte, auf die das Original zielt, es sind eher andere gesellschaftliche und psychologische Mechanismen, die im Fokus stehen. Ich finde die Einsätze der Jugendlichen wirkten ein bisschen wie dem Stück übergestülpt.

Marek: Diesen Eindruck teile ich. Aber die Bezüge sind im Text schon angelegt. Davon mal abgesehen – gab es Aspekte, die dir gefallen haben?

Vincent: Natürlich gab es die! Was mir gut gefallen hat, waren die unterschiedlichen Lichteffekte, die die Stimmungswechsel markiert haben, die Idee, die Handlungsorte mit dem Podest, einer Bank und einer Truhe zu bestreiten. Außerdem fand ich die Zeugenschranke, an welcher sich die Figuren verteidigen, sehr gut umgesetzt. Aber um es auf den Punkt zu bringen: Empfehlenswert?

Marek: Ich sage sehr empfehlenswert! Sollte man gesehen haben. Und gelesen! 😉

Dr. Melanie Uttenreuther